Dir grault es vor der Qual der Wahl beim Kin­der­wa­gen­kauf? So ging es mir auch. Aber kei­ne Sor­ge, ich habe eine gute Nach­richt für dich: wenn du neben der Optik vor allem Wert auf Sicher­heit und Gesund­heit legst, dann ist die Aus­wahl gar nicht mehr so groß.

Aber wir leben doch in Deutsch­land, alle Pro­duk­te, die zuge­las­sen sind, sind völ­lig unge­fähr­lich für mein Kind.“

Dass die­se Annah­me falsch ist, zeigt Öko-Test immer wieder.

Immer wie­der?

Ja genau. Da es die Eltern nicht zu inter­es­sie­ren scheint – inter­es­siert es die Her­stel­ler schein­bar auch nicht. 1
Nur so lässt sich erklä­ren, war­um Jahr für Jahr immer noch Kin­der­wa­gen auch grö­ße­rer und auch nam­haf­ter Her­stel­ler, deren Image auf der hohen Qua­li­tät ihrer ent­spre­chend hoch­prei­si­ger Pro­duk­te basiert, in Tests zum Teil mit man­gel­haft“ oder gar unge­nü­gend“ und nicht ver­kehrsfä­hig“ abschneiden. 

Damit du dein Kind nicht unge­wollt unnö­ti­gen Schad­stoff­aus­düns­tun­gen aus­setzt oder es nach drei Mona­ten nicht mehr in die Wan­ne passt, nen­ne ich in die­sem Bei­trag eini­ge Punk­te, die immer wie­der von den Tes­tern kri­ti­siert werden.

Der perfekte Kinderwagen?

Ich hat­te ich schon immer eine genaue Vor­stel­lung: ele­gant, viel­sei­tig und funk­tio­nal. Ich mag kla­re Lini­en und ele­gan­te Schnit­te auch bei mei­ner Klei­dung, weil mein Kopf immer so über­quillt mit Infor­ma­tio­nen und Gedan­ken, dass ich in mei­nem visu­el­len Umfeld, wenn ich kann, auf Details und schwam­mi­ge Kon­tu­ren verzichte.

Rein vom Design her gefal­len mir per­sön­lich Kin­der­wa­gen wie Stok­ke Xplo­ry, Mut­sy Evo, ABC Design Con­dor 4, Moon Nuo­va City, Joie Chro­me DLX, Osann Pep und Hauck Maxan 4.

Doch obers­te Prio­ri­tät hat natür­lich die Sicher­heit und Gesund­heit mei­nes Kin­des. Dar­um waren und sind mei­ne bes­ten Freun­de sowohl wäh­rend als auch nach der Schwangerschaft 

  • Mrs. Öko-Test und 
  • Mr. Stif­tung Waren­test.

Das ist mir wichtig:

1 /Sicherheit, Gesundheit und Ergonomie (kindgerechte Konstruktion)

Babys Kör­per ist noch im Auf­bau und Babys schla­fen in den ers­ten Mona­ten auch viel im Kin­der­wa­gen. Abge­se­hen von der Schlaf­qua­li­tät (und damit der Stim­mung des Babys unter­wegs und danach), beein­flusst der Kin­der­wa­gen auch die kör­per­li­che Ent­wick­lung. Bes­ten­falls wird sie nicht durch eine feh­ler­haf­te, uner­go­no­mi­sche Kon­struk­ti­on nega­tiv mani­pu­liert.

Hier ist vor allem die Über­gangs­zeit ent­schei­dend, denn man darf das Kind nicht zu früh hin­set­zen, weil es z.B. nicht mehr in die Baby­scha­le passt. Die meis­ten Bug­gys sind auf ein Alter von 9 Mona­ten aus­ge­legt und somit stüt­zen sie den Rücken nicht und die Mus­ku­la­tur wird stark beansprucht. 

Die Kin­der hän­gen“ im Wagen, kön­nen ihre Füße nicht abstel­len (was Druck auf die Kniee aus­übt), sie sacken ein oder zur Sei­te, der Kopf bau­melt…

Dar­um ist mir bei einem Kin­der­wa­gen fol­gen­des wichtig:

  1. Kind­ge­rech­te Konstruktion
  2. Zuver­läs­si­ges Gurtsystem
  3. Gute Luft­zir­ku­la­ti­on
  4. Guter Son­nen­schutz
  5. Guter Sicht­kon­takt

Das ist mir wichtig:

2 /Handhabung und Funktionalität

Weil Mami und Kin­der­wa­gen in den nächs­ten Mona­ten aber auch sehr viel Zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen wer­den, kommt als drit­ter Fak­tor für mich auch die Funk­tio­na­li­tät hin­zu. Für mich beson­ders wich­tig ist, dass der Kinderwagen 

  • Leicht ist (ich woh­ne im 3. Stock und es ist ver­bo­ten den Kin­der­wa­gen im Flur ste­hen zu las­sen);
  • Kom­pakt (ich habe einen win­zi­gen Kof­fer­raum);
  • Schnell auf- und zuklapp­bar (wenn mein Kind nach mir kommt, ist war­ten nicht sei­ne Stärke);
  • Ein­fach und intui­tiv ver­stell­bar (zwi­schen­durch mal eben die Sitz­rich­tung wech­seln, soll­te kein Pro­blem sein: mal will Baby die Autos sehen, mal braucht es Schutz vor zu vie­len Rei­zen);
  • Und viel­sei­tig (die Sitz­hö­he ist anpass­bar? Wun­der­bar).

Etwa im 4. Monat (18. SSW) abon­nier­te ich daher das Öko-Test Maga­zin für 2019. Zusätz­lich deck­te ich mich ein, mit:

  • dem Öko-Test Jahr­buch Kin­der und Fami­lie für 2018;
  • dem Rat­ge­ber Öko-Test Kin­der und Fami­lie (2015, 2016, 2017),
  • Öko-Test Spe­zi­al Kin­der und Fami­lie (2014, 2016, 2017),
  • sowie das Öko-Test Jahr­buch Kin­der und Fami­lie für 2019 – alles als Paket,
  • inklu­si­ve des Öko-Test Jahr­buchs für 2018 und
  • der Öko-Test Maga­zi­ne von März bis Dezem­ber 2018.

Getreu dem Mot­to: wenn­schon, denn­schon.

Außer­dem habe ich bereits zu Weih­nach­ten, dank eines Ange­bots, das Jahr­buch Stif­tung Waren­test 2018 (inkl. alle ein­zel­nen Aus­ga­ben in digi­ta­ler Fas­sung) für 25 Euro erwor­ben (hier das Jahr­buch 2018 für 9,99 Euro). Und weil das noch nicht genug war, kauf­te ich mir für jeweils 1 Euro auch ein­zel­ne Aus­ga­ben von 2015 und 2017, in der Kin­der­wa­gen getes­tet wur­den, dazu. Und was soll ich sagen: 

Ich war schockiert.

Stiftung Warentest testet Kinderwagen (2015)

Plötz­lich gab es gar kei­ne Aus­wahl“ mehr, denn kein ein­zi­ger Kin­der­wa­gen hat sehr gut“ abge­schnit­ten – weder bei Stif­tung Waren­test und erst recht nicht bei Öko-Test.

Wer übri­gens glaubt, dass Kin­der­wa­gen, die in Deutsch­land auf den Markt kom­men, gene­rell“ sicher und geprüft sind, der irrt gewal­tig. Denn nur für weni­ge Schad­stof­fe sind über­haupt irgend­wel­che Grenz­wer­te fest­ge­legt und wie sich zei­gen wird, gehen nicht alle Fir­men wie die Stif­tung Waren­test nach dem Prin­zip des vor­sor­gen­den Gesund­heits­schut­zes2 vor.

2015 hat bei Stif­tung Waren­test nur ein Kin­der­wa­gen mit gut“ abge­schnit­ten (Prei­se sind gerun­det und 2021 nicht mehr ganz aktuell): 

Gut

  • Bri­tax Go (damals 950 Euro).

Befriedigend

Nur befrie­di­gend“ haben fol­gen­de drei Kin­der­wa­gen abgeschnitten:

  • Knorr-Baby Volet­to Sport (600€)
  • ABC-Design Tur­bi S6 (300€)
  • Hauck Mali­bu XL All in One (350€)

Ausreichend

Aus­rei­chend“ (was auch immer das bedeu­te­ten soll, im Zusam­men­hang mit der Sicher­heit und Unver­sehrt­heit unse­rer Kin­der) waren:

  • Bug­a­boo Cameleon3 Base (950€)
  • Gess­lein F6 Air+ (700€)
  • Har­tan Topli­ne S (700€) (mit Softtragetasche)
  • Maxi-Cosi Mura 4 Plus (750€) (mit falt­ba­rem Kinderwagenaufsatz)
  • Mus­ty Evo (570 Euro)
  • Natur­kind Ter­ra plus (850€)
  • Peg Pere­go Book Pop-Up Modu­lar (1000€) (mit Gestell S)
  • Teu­to­nia BeY­ou V2 (900€) (mit Tra­ge­ta­sche Vario Plus)

Mangelhaft

Und tat­säch­lich haben zwei Kin­der­wa­gen, trotz ihrer sehr stol­zen Prei­se, sogar mit man­gel­haft“ abgeschnitten: 

  • Joolz Day Earth (950€) und
  • Stok­ke Trailz (1400€)
Für die genau­en Details zu den ein­zel­nen Kin­der­wa­gen (bzgl. Fede­rung, Leicht­gän­gig­keit, Mon­ta­ge, Schad­stoff­be­las­tung, Fle­xi­bi­li­tät, Hand­lich­keit, Regen­schutz usw.) kannst du dir den gan­zen Arti­kel von 2015 hier für 4,50€ herunterladen.

Stiftung Warentest testet Kinderwagen erneut (2017)

2017 hat Stif­tung Waren­test den Test mit neu­en Kom­bi-Kin­der­wa­gen-Model­len wie­der­holt – mit eben­so nie­der­schmet­tern­den Ergebnissen:

Gut

Immer­hin haben dies­mal drei Kin­der­wa­gen mit gut“ abgeschnitten:

  • Bri­tax Go Big (damals 1000€) – mit Sport­wa­gen und Wanne.
  • ABC Design Con­dor 4 (600€)
  • Joolz Geo Earth (1000€) – mit Sport­wa­gen und Wanne.

Befriedigend

Befrie­di­gend“ waren nur zwei Kinderwagen:

  • Moon Nuo­va City (500€)
  • Joie Chro­me DLX (400€)

Ausreichend

Die Mehr­zahl der getes­te­ten Kin­der­wa­gen schnitt wie­der mal mit aus­rei­chend“ ab:

  • Hauck Maxan 4 Trio Set (550€)
  • Natur­kind Vario Pro (950€) (wegen Kipp­ge­fahr, ansons­ten der Bes­te und v.a. schad­stoff­frei!)
  • Osann Pep (300€)

Mangelhaft

Und die­ses Mal schnit­ten sogar gan­ze vier Kin­der­wa­gen mit man­gel­haft“ ab:

  • Bug­a­boo Buf­fa­lo (1100€)
  • Teu­to­nia Bliss (1050€)
  • Berg­stei­ger Capri (400€)
  • Knorr-Baby Noxx­ter (600€) – damals noch ohne Kippsperre

Was mich immer wie­der ver­wun­dert, ist, dass gera­de die hoch­prei­si­gen Model­le regel­mä­ßig auf den hin­te­ren Plät­zen lan­den. Was nicht so tra­gisch wäre, gin­ge es hier nicht um die Sicher­heit und Gesund­heit unse­rer Kinder!

Der ein­zi­ge Kin­der­wa­gen, der nicht schad­stoff­be­las­tet ist und sowohl eine gute Tra­ge­ta­sche (die nicht ein­engt und lang genug ist) als einen guten Sitz hat, ist der Bitrax Go Big (995 Euro). Zusätz­lich lässt er sich auch noch auf ver­schie­de­nen Unter­grün­den gut fahren.

Für die genau­en Details der ein­zel­nen Kin­der­wa­gen (z.B. Fede­rung, Leicht­gän­gig­keit, Mon­ta­ge, Schad­stoff­be­las­tung, Fle­xi­bi­li­tät, Hand­lich­keit, Regen­schutz, usw.), kannst du dir den gan­zen Arti­kel von 2017 hier für 4,49 EURO herunterladen.

Konstruieren nach Gefühl“?

Sol­che Test­ergeb­nis­se machen mich ein­fach sprachlos. 

Kann es wirk­lich SO SCHWER sein einen anstän­di­gen, d.h. schad­stoff­frei­en und kind­ge­rech­ten Kin­der­wa­gen zu ent­wer­fen und zu produzieren?

War­um arbei­ten bei der Ent­wick­lung nicht Osteo­pa­then, Ortho­pä­den und Inge­nieu­re nicht mit den Her­stel­lern zusammen? 

Wie kann es sein, dass im 21. Jahr­hun­dert ALLE Kin­der­wa­gen an einer kind­ge­rech­ten Gestal­tung“ schei­tern? Gan­ze ACHT Kin­der­wa­gen haben schlecht abge­schnit­ten, weil schlicht und ergrei­fend die Baby­scha­len falsch bemes­sen sind.

Statt­des­sen wer­den die Tra­ge­ta­schen offen­bar nach Gefühl“ ent­wor­fen – anders kann ich die­se Ergeb­nis­se nicht erklären:

Vier- bis sechs Monate alte Babys passen nicht mehr in die Wanne:
  • Natur­kind Ter­ra Plus
  • Maxi-Cosi Mura 4 Plus
Die Füße vier bis sechs Monate alter Babys stoßen an:
  • Peg Pere­go Book Pop-Up (2015)
  • Maxi-Cosi (2015)
  • Mut­sy (2015)
  • Hauck (2017)
  • Osann (2017)
Babys können nicht flach liegen:
  • Bug­a­boo Came­le­on 3 Base
  • Joolz Day Earth
  • Stok­ke Trailz
  • ABC Design Con­dor 4
  • Bug­a­boo Buffalo
  • Joolz Geo Earth
  • Osann Pep
  • (teil­wei­se Bri­tax Go)

Der Grund dafür ist, dass die Lie­ge­flä­che einen fes­ten Win­kel hat. Beim Bri­tax Go lässt sich die­ser immer­hin vari­ie­ren, opti­mal sei die­se Lösung laut Waren­test aber auch nicht.


Öko-Test testet Kinderwagen (2015)

Nach­dem wir nun eine gute Über­sicht haben, was die Funk­tio­na­li­tät und Sicher­heit von Kin­der­wa­gen angeht, möch­te ich im fol­gen­den Teil einen genaue­ren Blick auf die Schad­stoff­be­las­tung wer­fen.

Die teu­ers­ten bei­den Kin­der­wa­gen haben hier den Vogel abge­schos­sen, indem sie über so hohe Schad­stoff­wer­te ver­füg­ten, dass sie prak­tisch nicht ver­kehrsfä­hig sind – und das bei einem Babyprodukt!

Zu hohe Schadstoffbelastungen fand man 2015 bei den Kinderwagen von
  • Stok­ke,
  • Bug­a­boo
  • und Maxi-Cosi.

Sowie 2017 bei den Model­len von 

  • Berg­stei­ger,
  • Knorr-Baby
  • und Teu­to­nia.

Da fragt man sich doch: was machen die mit dem gan­zen Geld, wenn nicht den FÜR DAS KIND best­mög­li­chen Kin­der­wa­gen zu entwerfen?

Was haben Sub­stan­zen wie poly­zy­kli­sche aro­ma­ti­sche Koh­len­was­ser­stof­fe (kurz: PAK), ins­be­son­de­re Stof­fe wie Naph­tha­lin, Chlor­par­af­fi­ne, Phtha­la­te (Weich­ma­cher) und Flamm­schutz­mit­tel (TDCPP – Tri-Dichlor­pro­pyl­p­hos­phat) als Weich­ma­cher­er­satz, da drin ver­lo­ren? Laut wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en sind sie mit hoher Wahr­schein­lich­keit krebs­er­re­gend.

Auch wenn das Kind damit nicht in Berüh­rung kommt“, so ein ver­brei­te­tes Argu­ment – so doch die Mut­ter – die dann die­sel­ben Schad­stof­fe z.B. über die Mut­ter­milch an das Kind wei­ter gibt – sowas muss eine Pro­duk­ti­ons­fir­ma von KIN­DER­wa­gen doch berücksichtigen!? 

Selbst wenn es noch kei­ne genau­en Stu­di­en gibt, die bestä­ti­gen, ab wel­cher Kon­zen­tra­ti­on oder bei wel­cher Expo­si­ti­ons­dau­er bestimm­te Schad­stof­fe und Che­mi­ka­li­en tat­säch­lich gesund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen haben, so soll­te man doch eher der Phi­lo­so­phie auf Num­mer sicher gehen“ fol­gen und nicht der ein Auge zudrücken“. 

Es ist schließ­lich kein Geheim­nis, dass sol­che Stof­fe sich über die Jah­re im Kör­per anrei­chern und man nicht nach einem Jahr schon aus­drück­li­che Fol­ge­schä­den nach­wei­sen kann.

Vor­sicht ist bes­ser als Nach­sicht, gera­de wenn es um Kin­der geht – soll­te die­ser Grund­satz nicht für jede Fir­men­po­li­tik gel­ten?

Die Fir­ma Bug­a­boo“ sieht das offen­bar anders. In ihrer Stel­lung­nah­me heißt es z.B., dass sie kei­nen Grund dar­in sehen, bei ihren Kin­der­wa­gen Grenz­wer­te für Spiel­zeug für Kin­der von unter 36 Mona­ten“ 3 anzu­wen­den. Aha.

Mir ist jeden­falls wich­tig, dass mein Kind nicht per­ma­nent irgend­wel­chen auf Dau­er schäd­li­chen Sub­stan­zen aus­ge­setzt ist.

Ganz egal, wer mir wel­che plau­si­blen“ Erklä­run­gen prä­sen­tiert, war­um die­ser oder jener Wert ver­nach­läs­sig­bar“ oder irrele­vant“ ist, solan­ge es kei­ne ran­do­mi­sier­ten kon­trol­lier­ten Lang­zeit­stu­di­en (dem Gold­stan­dard“ wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en­de­signs) gibt, die aus­drück­lich getes­tet haben, wie sich das Aus­ge­setzt­sein gegen­über bestimm­ten, in Kin­der­wa­gen ver­wen­de­ten Stof­fen und Aus­düns­tun­gen über eine län­ge­re Dau­er (wir spre­chen hier von mona­te- bis jah­re­lan­ger Expo­si­ti­on), auf die Gesund­heit der Kin­der aus­wir­ken, bin ich lie­ber zu vorsichtig“.

Obwohl auch die Stif­tung Waren­test die Kin­der­wa­gen auf ihren Schad­stoff­ge­halt hin prüft, wer­fe ich (bei Pro­duk­ten, denen auch ich im All­tag stän­dig aus­ge­setzt bin bzw. die ich täg­lich benut­ze oder kon­su­mie­re) trotz­dem erst noch einen Blick in die Öko-Test, bevor ich eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung tref­fe. Denn:

Die Dosis macht das Gift.

Öko-Test-Ergebnisse von 2015

Schau­en wir uns also die Ergeb­nis­se des Kin­der­wa­gen-Tests von Öko-Test Jahr­buch Kin­der und Fami­lie 2015 an.

Gut

Mit gut“ haben nur zwei Kin­der­wa­gen abgeschnitten:

  • Der Natur­kind Ter­ra Koa­la (858 Euro) (+ Tra­ge­nest) und der (2,0)
  • Stok­ke Xplo­ry und Car­ry Cot Com­ple­te (1129 Euro) (2,4)

Letz­te­rer über­rascht, da gera­de der Stok­ke Trailz (1350 Euro) bei der Stif­tung Waren­test im sel­ben Jahr (2015) mit man­gel­haft“ abge­schnit­ten hat – und zwar gera­de auf­grund über­höh­ter Chlor­par­af­fin­wer­te.

Test­sie­ger bei der Öko-Test ist der Natur­kind Kin­der­wa­gen mit Kork­grif­fen und Bezü­ge aus Bio-Baum­wol­le, gefüllt mit Schaf­schur­wol­le aus bio­lo­gi­scher Tier­hal­tung. Auch hier konn­ten aller­dings halo­gen­or­ga­ni­sche Ver­bin­dun­gen nach­ge­wie­sen wer­den. Abzü­ge gaben auch Ecken und Kan­ten am Schie­ber­ge­lenk und eine nicht sofort ein­ras­ten­de Verriegelung.

Beim Stok­ke Xplo­ry konn­te man immer noch erhöh­te Men­gen an phos­phor­or­ga­ni­schen Ver­bin­dun­gen (TDCPP, TCPP und/​oder TCEP) nach­wei­sen, aller­dings ent­hielt er – im Ver­gleich zu den ande­ren Kin­der­wa­gen – zumin­dest kei­ne wei­te­ren Schad­stof­fe. Kri­ti­siert wur­de von Öko-Test ansons­ten nur die etwas kurz gera­te­ne Liegewanne.

Befriedigend

  • Bri­tax B‑Dual 4 + Soft­tra­ge­ta­sche (569,98 Euro)
  • Emmal­jun­ga Mon­dial Duo Com­bi (839 Euro)
  • Har­tan Lite XL 502 (685 Euro)
  • Teu­to­nia Be You Cool & Clas­sic + Soft­tra­ge­ta­sche (889,80 Euro)

Ausreichend

  • Peg-Pére­go Book Plus Spor­tivo + Navet­ta XL (569 Euro)

Mangelhaft

Wie­der waren drei Kin­der­wa­gen man­gel­haft“ – in die­ser Kate­go­rie ist jeder Wagen einer zu viel:

  • Bug­a­boo Basis Came­le­on³ + Beklei­dungs­set (939 Euro)
  • Maxi-Cosi 68105940 Mura 4 + Auf­satz Drea­mi von Dorel (582,98 Euro)
  • Won­der­walk Kom­bi-Kin­der­wa­gen von Baby Walz (179 Euro)

Beim Bri­tax B‑Dual waren die phos­phor­or­ga­ni­schen Ver­bin­dun­gen erhöht und es fan­den sich PAK sowie chlo­rier­te Ver­bin­dun­gen.

Der Emmal­jun­ga ent­hielt opti­sche Auf­hel­ler mit Haut­kon­takt. Bei den Kin­der­wa­gen von Har­tan, Teu­to­nia, Bug­a­boo und Peg-Pére­go wur­den fol­gen­de Inhalts­stof­fe, die zur Abwer­tung führ­ten, gefunden*: 

  • Opti­sche Auf­hel­ler ohne Hautkontakt
  • Ersatz­weich­ma­cher
  • Halo­gen­or­ga­ni­sche Verbindungen
  • Chlo­rier­te Verbindungen
  • Erhöh­te Men­ge Phthalate 
  • PAK
  • Chlo­rier­te Verbindungen
  • Eine oder meh­re­re phos­phor­or­ga­ni­sche Ver­bin­dun­gen (TDCPP, TCPP, TCEP), die auch halo­gen­or­ga­ni­sche Ver­bin­dun­gen sind.
*Wel­cher Kin­der­wa­gen wel­che Stof­fe in wel­cher Kon­zen­tra­ti­on ent­hielt, kannst du auf der Sei­te von Öko-Test nachlesen.
Du hast einen nicht verkehrsfähigen“ Kinderwagen gekauft?

Stif­tung Waren­test weist bezüg­lich der Rechts­la­ge dar­auf hin, dass:

Besit­zer eines wegen Schad­stof­fen als man­gel­haft beur­teil­ten Kin­der­wa­gens … inner­halb der Gewähr­leis­tung ihren Händ­ler dazu auf­for­dern [kön­nen], den Man­gel zu behe­ben.„4

Du hast das Recht, ent­schä­digt zu wer­den und musst dabei nicht auf den Kos­ten sit­zen bleiben!


Zusammenfassung

Tipps zum Kinderwagenkauf

Das sind die Probleme fast aller Kinderwagen:
  • Die Tra­ge­ta­schen sind nach 4–5 Mona­ten zu klein.
  • Der Sport­sitz ist aber erst ab dem 9. Monat geeignet.
  • Die Leh­nen sind zu kurz.
  • Sit­ze las­sen sich nicht flachlegen.
  • Sit­ze sind zu tief.
  • Sit­ze sind zu lang.
  • Sit­ze kön­nen kippen (!).
  • Sel­ten haben Kin­der­wa­gen eine anpass­ba­re Schieberhöhe.
Darauf solltest du beim Kauf achten:
  • Die Rücken­leh­ne des Sit­zes ist hoch 50cm oder höher (53cm – 55cm).
  • Der Sitz lässt sich flach­le­gen.
  • Die Lie­ge­flä­che ist min­des­tens 80cm lang und etwa 35–40cm.
  • Die Fuß­stüt­zen las­sen sich verstellen.
  • Der Kin­der­wa­gen ist im Dun­keln sicht­bar – ent­we­der hell sein oder Reflek­to­ren haben.
  • Ein Kin­der­gurt ist vor­han­den.
  • Die Matrat­ze ist mit­tel­fest.
  • Die Brem­sen funk­tio­nie­ren gut und las­sen sich leicht feststellen.
  • Kann der Sitz kip­pen? (Pas­siert schon nicht? Goog­le mal Kin­der­wa­gen ein­fach umge­kippt“…)
  • Ist es aus­rei­chend vor der Son­ne geschützt?
  • Ist es aus­rei­chend vor Regen geschützt?
Fragen, die du dir noch stellen kannst:
  • Sind die Grif­fe höhen­ver­stell­bar?
  • Lässt sich der Sitz­be­zug waschen?
  • Kannst du ihn schie­ben ohne stän­dig mit den Füßen anzu­sto­ßen?
  • Passt der Kin­der­wa­gen in dei­nen Kof­fer­raum?
  • Passt er durch die schma­len Gän­ge einer Dro­ge­rie? Ist er wen­dig genug für dei­nen Lifestyle?
  • Kannst du ihn schnell auf- und zusam­men­klap­pen?
  • Kannst du ihn schnell ver­stel­len und umbau­en?
  • Bist du eher in der Stadt oder auf Feld- und Wald­we­gen unter­wegs? Ist die Fede­rung aus­rei­chend für dei­nen Lifestyle?
  • Hat der Kin­der­wa­gen eine Trans­port­si­che­rung?
  • Wel­ches Gurt­sys­tem wird benutzt?
  • Ist die Brem­se kom­for­ta­bel erreichbar?
  • Gibt es einen Sitz­ver­klei­ne­rer?
  • Kann ein älte­res Geschwis­ter­kind mit­fah­ren – wie sieht es mit dem Zube­hör aus?
In Bezug auf dein Kind gilt:
  • Der Kopf dei­nes Kin­des ragt nicht über die Leh­ne hinaus.
  • Die Bei­ne dei­nes Kin­des bau­meln nicht in der Luft herum.
  • Dein Kind hat links und rechts etwas Bewe­gungs­frei­heit.
  • Der Sitz ist nicht zu tief – zur Not hilft ein Kis­sen im Rücken.
  • Gibt es eine Kli­ma­kam­mer, damit das Kind nicht überhitzt?
  • Hal­ten Stoff und Ver­deck Zug­luft gut ab?

Checkliste kostenlos downloaden

Hier kannst du dir die Lis­te mit den Punk­ten, auf die du beim Kauf ach­ten soll­test, herunterladen:

CHECK­LIS­TE HERUNTERLADEN

Kompromisse, die man eingehen und nicht eingehen sollte

Da es anschei­nend einen Kin­der­wa­gen, der all die­se Punk­te erfüllt noch nicht gibt, sind wir als Eltern gezwun­gen Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen (wo man eigent­lich kei­ne ein­ge­hen dürf­te, dan­ke Kin­der­wa­gen­her­stel­ler). Doch eini­ge Din­ge sind ein­fach nicht ver­han­del­bar:

  • Du darfst dein Kind erst in den Wagen set­zen, wenn es sich von allein auf­set­zen kann (frü­hes­tens ab dem 7. Monat).
  • Eine Auto­kin­der­scha­le ist kein Ersatz für einen Kin­der­wa­gen. Ein Kind soll­te dar­in nur auf sehr kur­zen Stre­cken trans­por­tiert werden!
  • Wenn du dei­nen sper­ri­gen, schwer zusam­men zu bau­en­den Kin­der­wa­gen beim Besuch in der Stadt lie­ber im Wagen lässt, dann kauf dir lie­ber einen klei­nen, wen­di­gen und vor allem leicht auf­zu­bau­en­den Zweit-Kin­der­wa­gen dazu. Es geht schließ­lich um die lang­fris­ti­ge Gesund­heit dei­nes Babys!

So kannst du die Auswahl schnell reduzieren

Hast du einen eher klei­nen Kof­fer­raum, dann fal­len Kin­der­wa­gen wie Natur­kind Vario Pro schon­mal weg. 
Statt­des­sen eig­net sich ein Kin­der­wa­gen wie Osann Pep . (Ich wür­de ihn den­noch auf­grund eini­ger im Test genann­ter Punk­te nicht neh­men).
Für Feld- und Wald­we­ge eig­nen sich hin­ge­gen bes­ser gro­ße, luft­be­rei­te Räder mit guter Fede­rung. Auch blei­ben sie nicht ste­cken, soll­te es mal etwas mat­schi­ger sein. Beson­ders emp­find­li­che Schlä­fer pro­fi­tie­ren von einem Kin­der­wa­gen mit Wol­ken-Gefühl“.
Bist du eher in der Stadt unter­wegs, dann eig­net sich für dich defi­ni­tiv ein wen­di­ger und schlan­ker Kin­der­wa­gen mit schwenk­ba­ren Vor­der­rä­dern, wie der Stok­ke Xplo­ry.
Als Kom­pro­miss ver­zich­test du in die­sem Fall auf eine exklu­si­ve Fede­rung. Wenn du nur in Aus­nah­me­fäl­len auf Kie­sel­we­gen unter­wegs bist, ist das aber verschmerzbar. 
(Wobei der Xplo­ry V6 über eine gute Fede­rung ver­fügt, natür­lich nicht auf dem Wald-Kin­der­wa­gen-Niveau, aber mein Sohn war und ist sehr zufrie­den und konn­te dar­in auch gut schla­fen.)
Wie wich­tig ist es für dich, dass du den Sitz ein­hän­dig ver­stel­len kannst? Oder im Not­fall sogar zusam­men­bau­en? Bist du die meis­te Zeit allei­ne unter­wegs? Dann kann es sich loh­nen da genau­er hin­zu­schau­en. Hier geht es um dei­nen Kom­fort und um Zeitersparnis. 
Es kommt auch auf den Cha­rak­ter an: Wenn es mal schnell gehen muss, das Kind schreit… – kannst du da in Ruhe noch rumfriemeln? 
Wenn du schnell hek­tisch wirst, dich ärgerst oder ver­zwei­felst – dann ach­te dar­auf, dass du den Kin­der­wa­gen auch allei­ne schnell auf- und zuklap­pen kannst. 
(Ich kann mei­nen KiWa, den Stok­ke Xplo­ry, z.B. ein­hän­dig auf­bau­en, die Trep­pe des Kel­lers hoch­tra­gen und den Sitz kip­pen.)
Hier geht es haupt­säch­lich um die Höhe des Sit­zes sowie die Mög­lich­keit, die Blick­rich­tung des Kin­des ändern zu können. 
Außer­dem geht es dar­um, wie viel das Kind von sei­ner Umwelt wahr­neh­men kann und ob ich nach Bedarf, den Sicht­kon­takt erwei­tern oder redu­zie­ren kann, falls mein Kind von den Rei­zen über­for­dert wird. 
(Mir war es wich­tig, dass ich mei­nen Sohn sehr gut sehen konn­te und er mich. Daher habe ich einen Kin­der­wa­gen genom­men, der genau damit wirbt: dem Kind unter­wegs ‑trotz Kin­der­wa­gen – beson­ders nah sein.)
Wie ein­fach las­sen sich mei­ne Ein­käu­fe ver­stau­en und wie viel kann ich mit­neh­men? Man­che Kin­der­wa­gen erlau­ben bis zu 10kg, ande­re maxi­mal 3kg.
Muss ich die Ein­käu­fe danach müh­sam ein­zeln raus­ho­len oder kann ich den Korb oder die Tasche im Gan­zen ein­fach mitnehmen. 
(Letz­te­res war mir wich­tig, denn mein Sohn ist nicht sehr gedul­dig und ich krie­ge schnell Schweiß­aus­brü­che, wenn er schreit wie am Spieß…).

Brauchst du das?

Dinge, die optional sind

Auf eine Trans­port­si­che­rung kannst du ver­zich­ten, wenn du dar­über hin­weg sehen kannst, dass der Kin­der­wa­gen sich stän­dig von allei­ne wie­der auf­klappt. Oder du kaufst dir einen Kof­fer­gurt und ver­suchst damit dein Glück. 
Reflek­to­ren kannst du auch selbst nach­träg­lich auf einem dunk­len Kin­der­wa­gen anbringen. 
Wenn du dei­ne Gang­art anpas­sen kannst, sodass du bei einem Kin­der­wa­gen mit wenig Bein­frei­heit (Joolz Geo Earth, Moon Nuo­va City, Osann Pep, Stok­ke Trailz) nicht stän­dig ins Stol­pern kommst und dich jedes Mal furcht­bar dar­über auf­regst (was bei mir der Fall wäre), dann ist die Aus­wahl für dich viel­leicht größer. 
Man­che kön­nen dar­auf ver­zich­ten, ande­re nicht (ich, *räus­per*): der Kin­der­wa­gen ist intui­tiv und mit weni­gen Hand­grif­fen zusam­men­klapp­bar (Joie Chro­me DLX, Teu­to­nia Bliss, Joolz Geo Earth).
Bug­gys wur­den übri­gens 2016 von Stif­tung Waren­test geprüft. Sie­he hier.

Kinderwagen super, aber schadstoffbelastet ‑was tun?

Ich möch­te dar­auf hin­wei­sen, dass die Abwer­tung eines Modells einer Mar­ke nicht auto­ma­tisch heißt, dass auch alle ande­ren Model­le der­sel­ben Mar­ke glei­cher­ma­ßen betrof­fen sind. Wie man bei Stok­ke sieht, kann ein Modell man­gel­haft“ sein und ein ande­res mit gut“ abschneiden.

Wenn dir kei­ner der mit gut“ abge­schnit­te­nen Wagen gefällt oder dei­ne Anfor­de­run­gen erfüllt, dann kannst du den­noch von den Ergeb­nis­sen der Tests pro­fi­tie­ren und z.B. einen Griff-Über­zug nähen oder kaufen.

Die Wan­ne kann man zur Not mit einem Bio-Tuch aus­klei­den (dar­auf ach­ten, dass es gut fest gemacht ist und dein Kind sich nicht dar­in ein­wi­ckeln kann!). 

Stif­tung Waren­test schreibt dazu, dass besorg­te Eltern“ (was soll das über­haupt bedeu­ten? Gibt es auch nicht-besorg­te Eltern? Soll­te es Eltern geben, die nicht besorgt sind – in Bezug auf poten­zi­ell krebs­er­re­gen­de und nach­weis­lich frucht­bar­keits­schä­di­gen­de Stof­fe in Kin­der­nä­he?) die Grif­fe ent­fer­nen oder über­kle­ben und die Regen­hau­be nicht ver­wen­den [soll­ten]“. 5

Die Grund­re­gel lau­tet: Sei­nen Favo­ri­ten auf jeden Fall vor dem Kauf testen!

HOW TO: Testurteil deines Wunsch-Kinderwagens finden

Auf der Seite test​be​rich​te​.de findest du die Übersicht aller getesteten Kinderwagen plus Werturteile:
Hinweis 2020
Mitt­ler­wei­le hat die Stif­tung Waren­test erneut Kin­der­wa­gen getes­tet: im Jahr 2019 und im Jahr 2020. Der Bei­trag mit den Ergeb­nis­sen der bei­den Tests ist bereits in Arbeit (Stand Dezem­ber 2020).
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Fußnoten

  1. Und das ist kein Vor­wurf, schließ­lich kann man nur etwas in sei­ne Ent­schei­dung ein­be­zie­hen, von des­sen Exis­tenz – hier ins­be­son­de­re Schad­stof­fe – weiß.
  2. Test 3/2017, S. 64.
  3. Test 3/2017, S.63.
  4. Ebd. [Die Gewähr­leis­tung gel­te zwei Jah­re ab Lieferung.] 
  5. Test 3/2017, S.64.