In welcher Schublade steckt deine Persönlichkeit

Sie hat ein feu­ri­ges Tem­pe­ra­ment.
Er hat einen guten/​schlechten Cha­rak­ter.
Sie hat eine nette/​interessante Per­sön­lich­keit.

Was mei­nen wir damit?

Die­se psy­cho­lo­gi­schen Sche­ma­ta nut­zen wir, um Men­schen zu beschrei­ben – und in Schub­la­den zu stecken.

Unser Gehirn arbei­tet immer mit Abkür­zun­gen, Typi­sie­run­gen, Klas­si­fi­ka­tio­nen, Schub­la­den. Dar­aus besteht unse­re inne­re Land­kar­te, so fin­den wir uns in der Welt zurecht ohne in Grü­be­lei­en ste­cken zu bleiben. 

Wir ler­nen eine Per­son ken­nen und um sie wie­der­zu­er­ken­nen, spei­chern wir sie als Bild ab, indem wir auf­fäl­li­ge Merk­ma­le und Eigen­schaf­ten über­trie­ben, über­di­men­sio­niert, abspei­chern. Ken­nen wir eine Per­son nur ober­fläch­lich, besteht das Bild aus einer rie­si­gen Nase und der Eigen­schaft schril­le Stim­me“ oder schüch­tern“. Ken­nen wir sie bes­ser, ist das Bild differenzierter. 

Auch unse­re täg­li­chen Ent­schei­dun­gen basie­ren größ­ten­teils nicht etwa auf gründ­li­chen, ratio­na­len Über­le­gun­gen, son­dern auf Faust­re­geln (Heu­ris­ti­ken) und unse­rem Bauch­ge­fühl bzw. unse­rer Intui­ti­on (sie­he Dani­el Kah­ne­mann und Gerd Gige­ren­zer). Das ist einer­seits ener­gie­ef­fi­zi­ent und zeit­spa­rend, ande­rer­seits sind die­se schnel­len intui­ti­ven Schlüs­se sehr feh­ler­an­fäl­lig und oft ein­fach daneben.

Das­sel­be gilt auch für die Schub­la­de, in die wir uns selbst als Per­sön­lich­keit stecken.

Wel­cher Beruf/​welches Stu­di­en­fach ist der/​das rich­ti­ge für dich?
Wel­cher Part­ner passt zu dir?

Sol­che und ähn­li­che Fra­gen kannst du nur rich­tig“ beant­wor­ten, wenn du dich selbst gut kennst. All dei­ne Facet­ten, inklu­si­ve der Schat­ten­sei­ten.

Wir wis­sen seit Freud und Jung, dass wir einen Groß­teil unse­res Selbst sogar vor uns selbst abschir­men“, es ins Unbe­wuss­te ver­la­gern, weil wir uns dafür schä­men, weil wir es als mora­lisch falsch bewer­ten, weil uns gewis­se Tie­fen ein­fach Angst machen und wir uns damit nicht aus­ein­an­der­set­zen wollen. 

Ent­spre­chend ver­ur­tei­len wir auch einen Teil unse­re Emo­tio­nen, all jene, die wir als nega­tiv“ dekla­rie­ren und so hum­peln wir auf einem Bein durchs Leben ohne uns die­ses Umstan­des bewusst zu sein.

Wer bist du?
Wer wärst du gern?
Wie wür­dest du dei­ne Per­sön­lich­keit“ beschreiben?

Hin­wei­se dar­auf lie­fert uns das Bewusstmachen 

  • unse­res Tem­pe­ra­ments
  • unse­res Cha­rak­ters und
  • unse­rer Per­sön­lich­keit

Wie ergrün­det man das?

Nein, ich kom­me jetzt nicht mit die­sen elen­di­gen Stär­ken und Schwächen“.

Wenn man so anfängt, kom­men wirk­lich nur lee­re Eti­ket­tie­run­gen raus: lee­re Adjek­ti­ve wie ordent­lich, pünkt­lich, lern­fä­hig“ und per­fek­tio­nis­tisch, chao­tisch, ängstlich“. 

Gut. Es ist ein Anfang. 

Aber wir brau­chen mehr.

Fol­gen­de Fra­gen kön­nen hilf­reich sein:

  • Was sind dei­ne Werte?
  • Wel­che Prin­zi­pi­en lei­ten dich? 
  • Was sind dei­ne Leitsterne?
  • Hast du einen Kom­pass im Leben? 
  • In wel­che Rich­tung gehst du und warum? 
  • Läufst du auf etwas zu oder vor etwas weg?
  • Was moti­viert dich, was treibt dich an: Angst oder Neu­gier, Fül­le oder Mangel?
  • Wel­che Zie­le hast du im Leben?
  • Ver­folgst du dei­ne Träu­me, glaubst du an sie?
  • Wie bewer­test du dei­ne Träume?
  • Kennst du dei­ne Bedürfnisse?
  • Weißt du, woher sie kommen?
  • Kennst du das War­um hin­ter dei­nen Wünschen?
  • Willst du mehr Geld oder mehr Unabhängigkeit?
  • Weißt du, wie du dich fühlst?
  • Lässt du dei­ne Emo­tio­nen zu? Akzep­tierst du sie oder ver­drängst du sie?
  • Wor­um dre­hen sich dei­ne Gedan­ken? Sind es über­haupt deine?
  • Wie vie­le inne­re Stim­men hörst du? Wel­che ist deine?
  • Respek­tierst du dich?
  • Ver­traust du dir?
  • Gehst du mit dir so nach­sich­tig und lie­be­voll um, wie mit deinen 
  • Mit­men­schen?
  • Erwar­test du von dir mehr als von dei­nen Mitmenschen?
  • Kennst du dei­ne Gren­zen? Akzep­tierst du sie?

Als beson­ders augen­öff­nend haben sich Ant­wor­ten auf fol­gen­de Fra­gen erwiesen:

  • Wel­che Eigen­schaf­ten ver­suchst du vor ande­ren zu verstecken?
  • Wofür schämst du dich?
  • Was ist dir pein­lich oder was berührt dich peinlich?
  • Was macht dich an ande­ren wütend?
  • Wo hört dei­ne Tole­ranz auf?
  • Wel­che Macken ver­schweigst du anderen?
  • Was wür­dest du nicht mal dei­nem bes­ten Freund anvertrauen?

Wenn du die­se Fra­gen alle beant­wor­ten kannst, dann hast du eine Land­kar­te dei­ner Per­sön­lich­keit, die wahr­schein­lich schon 60% abdeckt (wenn du den zwei­ten Block wirk­lich ernst genom­men hast). Da unser Bewusst­sein aber nur eine mick­ri­ge Taschen­lam­pe im Reich unse­res Selbst ist, blei­ben ent­schei­den­de Aspek­te natür­lich wei­ter­hin ver­bor­gen im Unbe­wuss­ten.

Na und?

Du darfst dir natür­lich auf die Schul­ter klop­fen! Das ist schon gigan­tisch, was du hier zuta­ge geför­dert hast! Das muss sich auch alles erst­mal setzen.

Aller­dings geht die Suche nach dem Schatz, den ver­bor­ge­nen Antei­len dei­ner Per­sön­lich­keit, dei­nem wah­ren Selbst, hier erst rich­tig los.

Bevor wir wei­ter machen sind hier:

10 Gründe, Warum Selbsterkenntnis dich unbesiegbar macht

  1. Nur, wenn man sich selbst kennt – sei­ne Warums, Prä­dis­po­si­tio­nen und Prä­gun­gen – kann man die für sich rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen treffen.
  2. …kann man selbst­be­stimmt wäh­len und sei­nen Input kon­trol­lie­ren – anstatt sich von ande­ren mit­tels psy­chi­scher Tricks und Tech­ni­ken beein­flus­sen und mani­pu­lie­ren zu las­sen und sei­nen Kopf mit zu vie­len Infor­ma­tio­nen zu überreizen.
  3. …kann man sei­ne Ängs­te für immer los­wer­den – anstatt ewig vor ihnen zu flüch­ten und sei­nem Leben durch sie Gren­zen zu setzen.
  4. …kann man sei­ne Emo­tio­nen akzep­tie­ren und sie als Kom­pass nut­zen – anstatt sie als Brem­se und Feind zu sehen.
  5. …kann man den rich­ti­gen Part­ner fin­den; jeman­den, der sich nicht in dei­ne Per­so­na, dei­ne Mas­ke, ver­liebt hat und in den du nichts hin­ein pro­ji­zierst. So kannst du eine Bezie­hung füh­ren, die auf Akzep­tanz und Respekt basiert und mit der kei­ner von bei­den etwas kom­pen­sie­ren will, in der man sich gegen­sei­tig berei­chert und inspiriert.
  6. …kann man auch ver­trau­ens­vol­le, war­me und inni­ge Bezie­hun­gen mit ande­ren Men­schen knüp­fen, die einen so anneh­men, wie man ist, die emp­fan­gen und zurück­ge­ben und die ein­fach dei­ne Gesell­schaft und Per­sön­lich­keit schät­zen, anstatt dich aus­zu­nut­zen oder aus­zu­sau­gen (Ener­gie­vam­pi­re).
  7. …kann man die für sich rich­ti­gen Prio­ri­tä­ten set­zen und sein Leben in Ori­en­tie­rung auf bewusst gewähl­te Zie­le hin aus­rich­ten, die man mit einem kla­ren JA!“ ver­folgt – anstatt sich nur von etwas Nega­ti­vem weg zu bewe­gen, ver­folgt von einem stän­di­gen Nein, bit­te nicht…“.
  8. …kann inne­re Ruhe, Gelas­sen­heit und Klar­heit gewin­nen und dadurch im All­tag prä­sent sein – anstatt sich zu ver­zet­teln und in Grü­be­lei­en oder Kopf­ki­no zu verlieren.
  9. …kann sich selbst ver­wirk­li­chen. Ohne Zwei­fel, ohne Schuld­ge­füh­le, ohne Hast.
  10. …sein Leben bewusst gestal­ten, so wie es sei­nen Träu­men und Vor­stel­lun­gen ent­spricht, um am Ende des Lebens nichts zu bedau­ern, bereu­en oder betrauern.
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