PENG!

Es gibt Men­schen, die sind so ziel­fi­xiert, dass sie, wenn sie an einer Auf­ga­be dran sind, alles um sich her­um ver­ges­sen – ein­schließ­lich ihrer selbst als orga­ni­sches Wesen, das bio­lo­gi­schen Geset­zen unter­wor­fen ist. Sie han­geln sich prak­tisch von Kaf­fee zu Kaffee…
„…nur noch ein paar Minuten/​Stunden/​Tage/​Wochen, DANN ist es erle­digt und DANN kann ich wie­der nor­mal’ leben.“

Ah ja. Sicher. Ist schon klar. 😉

Doch tat­säch­lich kommt da schon das nächs­te Pro­jekt“ und im End­ef­fekt ver­geht so locker ein Jahr­zehnt (oder meh­re­re…) und schwupps ist man 40 oder 50 und merkt:

Schei­ße. Ich habs ver­geigt. Das Leben. MEIN Leben. Ich habe Raub­bau an mei­nem Kör­per betrie­ben. Mein Leben ging mir buch­stäb­lich an die Substanz.

Das kann einem in einem stil­len Moment der Klar­heit ein­fach so auf­leuch­ten. Wie ein klas­si­scher Geis­tes­blitz. Oder die Erkennt­nis erwuchs aus einer tie­fe­ren und hef­ti­ge­ren Mid­life­cri­sis. Man­che trifft es aus hei­te­rem Him­mel, uner­war­tet und wie eine mäch­ti­ge Faust mit­ten in die Bauch­ge­gend. Viel­leicht in Form eines klei­nen Herz­in­fark­tes oder eines (Ansät­ze zum spä­te­ren Herz­in­farkt bereits in sich tra­gen­den) Bur­nouts“…

Viel­leicht hat sich der Gedan­ke nach jah­re­lan­ger Ker­ker­haft lang­sam über Jah­re nach oben gewühlt, wie ein klei­ner Wurm in Form einer Depres­si­on oder das Unter­be­wusst­sein spricht zu dir mit­tels einer Angst­stö­rung, die lang­sam aber sicher dein Leben statt dei­ner in die Hand nimmt und es zu kon­trol­lie­ren beginnt – wie das Herr­chen den Hund. Dabei bist du, naja, der Hund eben.

Und das ver­rück­te: du wirst gelobt. Du wirst dafür gefeiert. 

Die Sabi­ne, ja die ist flei­ßig – unse­re BES­TE frau! Her­bert? Immer da, wenn man ihn braucht. Packt mit an, beschwert sich nicht. Soli­de Arbeit. Ehr­gei­zig, hilfs­be­reit, ziel­stre­big, orga­ni­siert, noch ein paar Adjek­ti­ve, die meist Leu­te beschrei­ben, die sich aus­powern“.“

Um zu gefal­len, um was zu bewei­sen, um ihren Selbst­wert auf­recht zu erhal­ten, der von Lob und Aner­ken­nung der ande­ren“ abhängt, es gibt vie­le Grün­de. Und es muss nicht nega­tiv sein!

Aber wenn du die­sen Arti­kel bis hier­her gele­sen hast, dann bist du Rich­tung Sack­gas­se abge­bo­gen und nicht Rich­tung Chef­eta­ge. Oder Rich­tung Chef­eta­ge, aber der Drink am Pool schmeckt ein­fach nicht. Du kannst ihn nicht genießen. 

Du woll­test eigent­lich noch… und DANN…“

Never ending story…

In unse­rer puri­ta­nisch gepräg­ten Gesell­schaft gilt es als löb­lich, ein Arbeits­tier zu sein. Sei­ne Bedürf­nis­se zurück­zu­stel­len. Anzu­pa­cken. Doch wie ein Pferd, das nur ackert und nicht genug aus­ru­hen kann, schlech­tes, nähr­stoff­ar­mes Fut­ter bekommt und zu wenig trinkt, bald elen­dig ver­en­det. So ist die Kehr­sei­te die­ser Acker­gaul-Men­ta­li­tät, dass auch du zunächst men­tal, bald auch kör­per­lich (ent­we­der plötz­lich oder schlei­chend, aber mit Sicher­heit) verendest. 

Denn sei­en wir ehr­lich: du bist kei­ne Maschine. 

Du bist ein orga­ni­sches SYS­TEM und das funk­tio­niert klas­se, solan­ge alle Regel­krei­se wie geschmiert lau­fen. Ins­be­son­de­re das Hor­mon­sys­tem. Sobald da was hakt führt das ZWANGS­LÄU­FIG zum Zusam­men­bruch des gesam­ten Systems.

Was pas­siert bei Dau­er­stress? (Ja, fünf Tas­sen Kaf­fee am Tag spre­chen eine KLA­RE Spra­che…)

Der Cor­tisol­spie­gel steigt. Er steigt so stark und kon­ti­nu­ier­lich (weil du NIE PAU­SEN MACHST!), dass er DAU­ER­HAFT erhöht bleibt. Der Kör­per denkt, du bist in ech­ter LEBENS­GE­FAHR (ein Löwe oder Gris­ly­bär hat dich anvi­siert, die­se Art) – er setzt Adre­na­lin und Nor­ad­re­na­lin frei, um dich mobil zu machen, damit du dei­nen Ar* ret­ten kannst. 

Und was tust du?? Du sitzt wäh­rend­des­sen brä­sig am Schreibtisch.

  • Du wirst nervös.
  • Ange­spannt.
  • Dein Puls rast. 
  • Dein Augen­lid zuckt.
  • Dir ist heiß und kalt. 
  • Du hast Ver­dau­ungs­pro­ble­me, Schlaf­stö­run­gen, Span­nungs­kopf­schmer­zen, sam­melst Infek­te wie ein Kin­der­gar­ten­kind, bist ver­spannt, ruhe­los, gereizt, 
  • kurz: ein rich­ti­ges Ar*** und wahrscheinlich 

Fett.

(Jeden­falls nicht mehr so schlank wie einst ;-)) Woher die Röll­chen kom­men, wo du doch kaum Nah­rung zu dir nimmst, son­dern längst Früh­stück und Mit­tag­essen durch Kaf­fee ersetzt hast? Die Ant­wort lautet:

Dau­er­haft erhöh­ter Cortisolspiegel.

Wir fas­sen zusam­men: Men­schen, die ihre eige­nen psy­chi­schen, men­ta­len und phy­si­schen Gren­zen lan­ge Zeit ignorieren

  • bren­nen frü­her aus,
  • Sind unzu­frie­den und kön­nen dar­um nicht mehr ihr Bes­tes geben.
  • Sind unmo­ti­viert und nicht so pro­duk­tiv wie sie ger­ne wären.
  • Wer­den auf Dau­er oft depres­siv oder ent­wi­ckeln gar eine Angststörung.
  • Stress kommt mit einem Rat­ten­schwanz an gesund­heit­li­chen Beschwerden.
Man kann nicht wochen‑, mona­te- und mit­un­ter jah­re­lang sei­nen Kör­per und sei­ne See­le miss­ach­ten und dabei genau­so frisch, aus­ge­ruht, agil und pfif­fig blei­ben wie damals als man den Job ange­nom­men hat.
Du musst dei­ne Akkus regel­mä­ßig aufladen.

Bleibt das aus, arbei­tet und lebt man auf Spar­flam­me, ist dabei trotz­dem inner­lich unru­hig, gehetzt und gestresst und irgend­wann gibt es einen Kurz­schluss – und plötz­lich geht gar nichts mehr.

Wer dau­ernd aus­ge­powert ist, ist zwangs­läu­fig im Hams­ter­rad gefan­gen – für mehr reicht die Ener­gie ein­fach nicht.

Hams­ter­rad heißt Sackgasse. 

Und Sack­gas­se heißt Stillstand. 

Still­stand klingt nicht nach sinn­erfüll­tem Leben. 

Auch nicht nach Wert­schaf­fung, Selbst­wirk­sam­keit und über­schwäng­li­cher Lebens­freu­de.

Letz­te­res braucht BEWEGUNG.
(So wie unser Darm, doch das ist ein ande­res Thema…)

Nicht die stress­in­du­zier­te Bewe­gung im Hams­ter­rad. Nein. 

Eher so eine Art Zen-Bewe­gung : ein gelas­se­nes, fein­sin­ni­ges Mit­flie­ßen mit dem Lebensfluss. 

  • Kein mit dem Kopf durch die Wand wollen. 
  • Kein Auf­schie­ben des Mittagessens.
  • Kei­ne Fer­tig­ge­rich­te, weil man kei­ne Zeit hat Nudeln zu kochen. 
  • Kein noch schnell Mails che­cken“ (und hän­gen blei­ben) anstel­le eines Spa­zier­gangs an der fri­schen Luft. 
  • Kein hek­ti­sches Run­ter­schlin­gen, son­dern bewuss­tes Kau­en, Schme­cken und Schlucken. 

Weil du dein Kör­per bist. 

Du bist eben nicht nur dein Gehirn. Hast du dir schon ein­mal über­legt, WAS dein Kör­per ist und was da alles so ohne dein Zutun täg­lich abläuft, sofern du da kei­ne Stei­ne ins Getrie­be wirfst? Es ist ein FAS­ZI­NIE­REN­DES, hoch­kom­ple­xes, DYNA­MI­SCHES System. 

Das heißt, alles wechselwirkt. 

Es gibt unzäh­li­ge Regel­krei­se und Rück­kopp­lungs­schlei­fen. Der Kör­per ist MEIS­TER wenn es um Kom­pen­sa­tio­nen geht – dar­um bemer­ken wir immer zu spät, dass etwas kaputt“ ist. Stör­fak­to­ren wer­den solan­ge aus­ge­blen­det, bis wir im Kran­ken­haus (oder wahl­wei­se beim Psychologen/​Therapeuten) landen.

Erst küm­mern wir uns nicht und gie­ßen den Kaf­fee in Strö­men herunter.

Am Ende lei­den die Men­schen, die wir lie­ben darunter. 

Wenn wir dann kom­plett lebens­un­fä­hig sind und ihrer Hil­fe bedür­fen. Wenn sie nachts nicht schla­fen kön­nen, weil sie sich um uns sor­gen. Und wir hat­ten und haben dann erst Recht keine
Kraft mehr ihnen die Zeit und Auf­merk­sam­keit zu wid­men, die ihnen gebührt.

Hör deinem Körper zu

Viel ist in den letz­ten Jah­ren von Work-Life-Balan­ce“ die Rede – wir neh­men es zur Kennt­nis und set­zen uns noch mehr unter Druck. 

Die Sache ist, dass die all­seits pro­pa­gier­te Balan­ce mit unse­rem Wirt­schafts­sys­tem und unse­ren gesell­schaft­li­chen Wer­ten nicht ver­ein­bar ist. 

Wir haben einen sehr engen Spiel­raum, um für Aus­gleich zu sor­gen und müs­sen daher ganz gezielt unse­re klei­nen Frei­räu­me suchen, um bei dem all­täg­li­chen Tru­bel nicht dau­ernd den Kopf zu verlieren.

Zum Glück habe ich unter ande­rem mit­hil­fe mei­nes Freun­des gelernt, in mei­nen Kör­per hin­ein­zu­füh­len und bes­ser auf sei­ne Signa­le zu hören. Ich habe sozu­sa­gen gelernt, aus den Radio­wel­len die feh­ler­haf­ten Fre­quen­zen zu fil­tern bzw. her­aus­zu­hö­ren und kann so direkt etwas unternehmen. 

Ich kann den Stein aus dem Getrie­be neh­men. So ver­hin­de­re ich, dass Regel­krei­se unter­bro­chen wer­den und ermög­li­che dem Kör­per sich selbst zu rege­ne­rie­ren.

In ers­ter Linie heißt das: mir Zeit für mich und für Erho­lung zuzugestehen. 

Wäh­rend ich frü­her mei­ne Bedürf­nis­se igno­riert habe, lei­he ich ihnen heu­te mein Ohr. 

Auf­grund von bestimm­ten inne­ren Zwän­gen, kann es aller­dings immer noch etwas dau­ern, bis ich STOP sage.

Doch ich arbei­te daran. 

Tag für Tag. 

Stück für Stück.

Wenn alles zu viel wird, zie­he die Not­brem­se – sag STOP. Klick um zu Tweeten

Meis­tens mache ich das an einem Sonn­tag, damit ich wirk­lich ein­mal kom­plett los­las­sen kann und nicht doch noch irgend­wel­che Ver­pflich­tun­gen dazwi­schen kommen.

PENG! Heißt es dann (ich den­ke dabei an so einen Medi­ta­ti­ons-Gong) und STOP.

Was ich dann genau mache, erfährst du (in Kür­ze) auf den fol­gen­den Seiten:

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