Ich zweif­le mal wie­der an die­sem Blog. An mir. Dar­an, ob ich wirk­lich Hilf­rei­ches oder Nütz­li­ches zu tei­len habe. 

Wenn ich viel Zeit allein in mei­ner Ere­mi­ten­höh­le ver­brin­ge, was durch die Zahn­pro­ble­me mei­nes Soh­nes gera­de wie­der ein paar WOCHEN der Fall war, dann fres­sen sich klei­ne Selbst­zwei­fel-Mons­ter­chen Stück­chen für Stück­chen durch mei­ne ehe­mals leuch­ten­den Inspi­ra­tio­nen – die Visio­nen, die mich und mei­ne Pro­jek­te antreiben.

Ich arbei­te nun seit 10 Jah­ren an die­sen Pro­jek­ten. Wirk­lich Krü­mel für Krü­mel. Selbst­zwei­fel, depres­si­ve Pha­sen, Bezie­hungs­kri­sen und man­geln­des Selbst­ma­nage­ment haben mich in der Ver­gan­gen­heit wochen­lang vom Vor­an­kom­men abge­hal­ten und ich mich in der Pro­kras­ti­nier­fal­le ver­lo­ren – oder im Lese-Marathon.

In guten“ Pha­sen, in denen ich zum Teil gera­de­zu eupho­risch und hoch­mo­ti­viert bin (dan­ke Papa :-*, RIP), fal­le ich ins ande­re Extrem: in der Hoff­nung (#denk­feh­ler­ahoi), alles Ver­säum­te schnell nach­zu­ho­len, fan­ge ich alle Pro­jek­te gleich­zei­tig an und weil alles natür­lich auch noch per­fekt“ sein, d.h. gestal­tet und recher­chiert sein muss, ver­fan­ge ich mich wie­der in hun­der­ten von Links. Da sind dann:

  • 30 Tabs zu Thema/​Projekt/​Blog 1 offen,
  • 40 Tabs zum The­ma Baby-Weh­weh­chen Nr. 879“,
  • 20 Tabs zum Thema/​Projekt/​Blog,
  • 15 Tabs einer Recher­che der bes­ten Kin­der-Stop­per­so­cken (ein­fach wel­che ohne GIF­TE bitte!!),
  • Suche nach einer neu­en Jeans für mich,
  • neu­en Hand­schu­hen für den Freund,
  • Recher­che zum The­ma Wech­sel­jah­re für die Mama,
  • zum The­ma Ernäh­rung bei Dia­be­tes für Oma,
  • Komi­scher har­ter Knub­bel am Hals“ spon­tan für mich heu­te Morgen,
  • usw.

Da ist das Zeit­fens­ter auch schon wie­der zu, das meis­tens nur 2h lang ist. Aber ich hal­te meist erstaun­lich lan­ge mei­ne Inspi­ra­ti­on und mei­nen Opti­mis­mus. Aber wenn dann schon wie­der ein hal­ber Monat rum ist und ich immer noch nir­gend­wo einen Schritt wei­ter bin – dann kommt die Ver­zweif­lung, die Wut, die läs­ti­gen inne­ren Stim­men, die einen noch wei­ter run­ter machen.

Und die­ses Blog gäbe es nicht, wenn ich in all den Jah­ren nicht effi­zi­en­te Mit­tel und Wege gefun­den hät­te, aus so einem einen in Sekun­den­schnell ein­sau­gen­den Schwar­zen Loch des Selbst­has­ses schnell wie­der rauszukommen. 

Und ich habe auch akzep­tiert, dass die­se Pha­sen bei mei­nem Per­sön­lich­keits­typ zum Leben gehö­ren und immer wie­der auf­tre­ten werden.
– Einer der wich­tigs­ten Erkennt­nis­se und men­ta­len Ent­las­tungs-Brin­ger. Wenn­gleich ich natür­lich weiß, dass auch das nicht für immer so sein muss. Aber da ich mich ken­ne, bin ich rea­lis­tisch, und sage: ich bin im Moment noch mit der ande­ren Bau­stel­le beschäf­tigt, die die Basis dar­stellt, für mei­ne spä­te­re Zen-Per­sön­lich­keit 😉 (Wo ich das schrei­be, könn­te ich mir gleich wie­der selbst widersprechen…aber das hebe ich mir für einen ande­ren Bei­trag auf :P)

Als Scan­ner -Typ wer­de ich natur­ge­mäß stän­dig von einem The­ma zum ande­ren getrie­ben. Ich habe dazu neu­lich einen inter­es­san­ten Bei­trag gefun­den: Read This If You Strugg­le With Finis­hing Things You Start BÄM, das hat getrig­gert 😄 (Auch die­ser Bei­trag war ein guter Remin­der Stop Rese­arch Start Doing und die­ser: Radi­cal Accep­t­ance In Uncer­tain Times war auch nicht schlecht.)

An einem bestimm­ten Punkt im Leben (wenn Kin­der die Haupt­sa­che sind und zu Hau­se betreut wer­den), kann man ein­fach nur akzep­tie­ren. Es wäre inef­fi­zi­ent und zer­stö­re­risch, sich tag­ein tag­aus dafür zu ver­flu­chen, wie unsäg­lich schlecht man doch ist, weil man ein­fach Nichts schafft UND dazu noch eine Raben­mut­ter, weil man es ver­sucht, anstatt dem Kind 100 Pro­zent sei­ner Auf­merk­sam­keit zu schen­ken (so fühl ich mich gera­de 😅😢)

Ja. Heu­te fühl­te ich mich – wie auch die letz­ten Wochen immer öfter – wie eine abso­lu­te Raben­mut­ter. Das hat bei mir als Erst­lings-Mut­ter län­ger gedau­ert als bei vie­len ande­ren. Ich hat­te rea­lis­ti­sche Vor­stel­lun­gen, habe akzep­tiert, dass ich jeder­zeit mein abso­lut Bes­tes gege­ben habe und wenn der Klei­ne doch Pro­ble­me hat­te, sei­ne Gefüh­le zu regu­lie­ren und Koli­ken, dann hat das nichts mit mit zu tun. Etwas schul­dig fühl­te ich mich als er eine Hüft­beu­ge­schie­ne brauch­te – mei­ne Gebär­mut­ter war schließ­lich zu eng, aber kann ich etwas für die form mei­ner Gebär­mut­ter? Nein. Auch dass sein Darm nicht opti­mal besie­delt war, weil ich einen Kai­ser­schnitt hat­te, war nicht mei­ne Schuld (immer­hin tat ich mein Bes­tes: besorg­te ihm Mutaf­lor).
Der wun­de Po, der anfing zu näs­sen, war mei­ne Schuld, aber ich war nach­sich­tig mit mir, das kann allen Erst­lings-Mamas pas­sie­ren. Als er mit 10 Mona­ten immer noch kaum Inter­es­se an Essen hat­te, war ich noch rela­tiv ent­spannt, als es mit 12, 13 Mona­ten kaum bes­ser wur­de, fühl­te ich mich schul­dig: bie­te ich ihm das Fal­sche an? Soll­te ich mehr und bes­ser kochen? Baby-Muf­fins, ‑Bröt­chen und ‑Gemü­se-Pfann­ku­chen? Hmm.
Dann fing er an bestimm­te Sachen zu essen, auch gern. Doch dann der Absturz: ein seit­li­cher, obe­rer Schnei­de­zahn ist kurz nach Durch­bruch ABGE­BRO­CHEN. Und die obe­ren Schnei­de­zäh­ne sahen oben auch schon mit­ge­nom­men aus. Mei­ne Schuld??
Hät­te ich die Rosi­nen weg­las­sen sol­len, im Hafer­brei? War 1 Quet­schie die Woche, ins­ge­samt 6, zu viel? Die weni­gen Kek­se zur Weih­nachts­zeit? Ich habe jeden­falls fan­tas­ti­sche Zäh­ne, schon immer kari­es­frei. Mein Part­ner hat auch sehr gute Zäh­ne. Er wur­de wie es die WHO emp­fiehlt noch bis weit über den ers­ten Geburts­tag gestillt. Kei­ne Süßig­kei­ten, kein Eis, kei­ne Kuchen, kei­nen Honig, nicht mal Nudeln, weil er die auch nicht moch­te. Dafür aß er gern mal eine Man­da­ri­ne, Apfel, Bir­ne und Man­go.
Aber zu der Zeit nicht der Rede wert und auch nicht täg­lich. Vit­amin­man­gel eigent­lich bei mir und ihm aus­ge­schlos­sen. Hmm.
Und doch stimm­te was nicht mit sei­nen Zäh­nen. Also gut. Ich recher­chier­te in den letz­ten Wochen pau­sen­los. Bestell­te und las Bücher, trat Face­book-Grup­pen bei und las alle Arti­kel zu, The­ma MIH (Mola­ren-Inzi­si­ven-Hypo­mi­ne­ra­li­sa­ti­on), weil das mei­ner Mei­nung nach genau passte.

Natür­lich hieß das weni­ger Auf­merk­sam­keit für den Klei­nen. Mama war nur am lesen. Bedrückt. Angst­voll. Lang­wei­lig. Dazu das schlech­te Wet­ter, wir gin­gen nur sel­ten raus. Und wenn mei­ne Oma auf ihn auf­pas­sen kommt, sit­ze ich zum Teil para­ly­siert vorm Bild­schirm oder Buch und weiß nicht wei­ter. Einer­seits wür­de ich die Zeit ger­ne wie geplant nut­zen, um mei­ne Pro­jek­te wei­ter zu brin­gen. Ande­rer­seits füh­le ich mich schlecht, dass ich nicht bei ihm bin und er mit Oma und Uroma mehr Spaß hat als mit Mama, sodass er ich nicht mal ver­misst, wenn sie da sind 🙁

Schuld­ge­füh­le. Davon habe ich mehr als genug.

Ich habe Schuld­ge­füh­le gegen­über mei­nem Vater. Gegen­über mei­nem Part­ner. Gegen­über mei­ner Mut­ter. Gegen­über mei­nen Freun­den. Sie alle wur­den und wer­den ver­nach­läs­sigt und zum Teil unfrei­wil­lig aus­ge­nutzt. Ein­fach, weil ich es ver­säu­me, kon­kret genug zu sagen, was ich den­ke, was ich möch­te, was ich erwar­te und was nicht. Wo es nicht so drin­gend ist, wie es rüber­kommt. Wo ich auch allei­ne gut klar kom­men wür­de. Ich habe das Glück, sehr hilfs­be­rei­te Men­schen um mich zu haben, die im Zwei­fels­frei schon vor der Tür ste­hen, noch bevor ich nach ihnen geru­fen habe. 

Wenn ich da so vor mich hin­star­re und nach­den­ke, wie ich am bes­ten mei­ne Lei­den­schaf­ten nicht nur aus­le­ben (das hät­te ja noch Zeit), son­dern auch damit Geld zu ver­die­nen – wenigs­tens so viel, dass ich mit die­sem Trink­geld für mei­nen Sohn das extra siche­re Dreirad/​Laufrad/​Kindersitz kann oder Bar­fuß­schu­he. Dann kom­men all die Ver­sa­gens­ängs­te und blo­ckie­ren mich. Dazu noch der Zeit­druck. Tick tack. Tick tack. Mit jeder Minu­te, die ich nach­den­ke anstatt zu schrei­ben, die ich recher­chie­re anstatt zu schrei­ben, die ich lese oder esse anstatt zu schrei­ben – ist eine zu viel. Aber, wenn ich möch­te, dass jemand etwas spen­det, muss der Inhalt dann nicht sau­ber und umfas­send recher­chiert und ein­fach per­fekt sein? Essen muss auch sein, das kommt bei mir ohne­hin seit Mona­ten zu kurz. Und dabei neh­me ich mir nicht mal die Zeit, für MICH zu kochen. Das Pro­kras­ti­nie­ren ist nicht mein Pro­blem. Das tue ich abends und bewusst. (Außer heu­te, da tip­pe ich zu einer Net­flix-Serie die­sen Text.)

Das Pro­blem ist (neben den Schuld­ge­füh­len), wie ich oben bereits andeu­te­te, dass ich zu viel auf ein­mal tun möch­te.

Und all die Din­ge erfor­dern viel Kon­zen­tra­ti­on, Fokus, Lie­be zum Detail, Ver­stand und ein­fach Zeit.

Der Blog Denk­feh­ler ist ein Her­zens­pro­jekt, ich zah­le für die Domain seit 7 Jah­ren. Ich habe schon mehr­mals die Über mich“ Sei­te umge­schrie­ben und refor­mu­liert, wor­um es mir bei der Sei­te geht, was ihr Zweck ist, mei­ne Inten­ti­on und war­um ich so eine Sei­te für so wich­tig hal­te. Mit jedem Jahr mehr. Ins­be­son­de­re seit 2019.

Die­ser Blog, die ers­te Domain schenk­te mir mein Vater 2010, leb­te kurz 2016 auf, dann kam das Leben dazwi­schen. 2020 leg­te ich los. Mit Baby und kaum Zeit, aber sehr struk­tu­riert und mei­ne Zeit­fens­ter recht gut aus­nut­zend. Da ich es des­we­gen nicht schaff­te, auch ein schö­nes Foto­buch zu machen (um ehr­lich zu sein, hängt in mei­nem Haus kein ein­zi­ges Foto mei­nes Soh­nes. Ich habe sogar die Fotos sei­nes ers­ten und bis­lang ein­zi­gen Foto­shoo­tings noch in der Box lie­gen), hat­te ich die Idee zu einem wei­te­ren Blog: klei­ner-Rabau­ke. Auch der muss­te natür­lich per­fekt sein. Also such­te ich The­mes, pro­bier­te sie aus und schei­ter­te an den für mich noch unge­wohn­ten Umge­bun­gen. Daher herrscht da auch noch gäh­nen­de Lee­re. Für mei­nen Vater woll­te ich einen Memo­ri­al-Blog machen. Ich will alle sei­ne Freun­de, Bekann­te und Ver­wand­te bit­ten, in einem Brief zu schrei­ben, wie er war, was er ihnen bedeu­te­te. Und ich will sei­ne Web­site mit sei­nen Gemäl­den wei­ter füh­ren. Dazu möch­te ich die­sen Mai alle sei­ne Wer­ke foto­gra­fie­ren. Nicht zuletzt muss und möch­te ich auch sei­ne Blogs weiterführen.

Ich will über vie­le Din­ge schrei­ben, in denen zu vie­le Mythen vor­herr­schen. Das sind die The­men die­ses Blogs, wie sie im Menü bereits sicht­bar sind. Außer­dem Denk­feh­ler als Basis dafür. Nun kam dazu ein Feld, das ich eigent­lich defi­ni­tiv aus­spa­ren woll­te: Ernäh­rung. Die neu­en Erkennt­nis­se, die ich auf der Suche nach einer Lösung für das Zahn­pro­blem mei­nes Soh­nes fand, haben mich umge­hau­en. Das erklärt ein­fach ALLES. Und noch mehr Mythen und Denk­feh­ler habe ich auf­ge­deckt. Das Wis­sen ist da und immer schon da gewe­sen. Aber sie zu ver­knüp­fen und das gro­ße Gan­ze zu sehen – das beherr­schen am wenigs­ten noch die Ein­zel­wis­sen­schaf­ten. Ich will nicht sagen, dass ich so super­schlau bin und das alles selbst raus­ge­fun­den habe. Aber ich habe eini­ges an Denk­feh­lern, basie­rend auf kogni­ti­ven Ver­zer­run­gen und feh­ler­haf­ten Stu­di­en und fal­schen Inter­pre­ta­tio­nen, basie­rend auf feh­ler­haf­ten sta­tis­ti­schen Daten, usw. gefun­den, die ich unbe­dingt tei­len und zur Dis­kus­si­on stel­len möch­te. Zu einer Dis­kus­si­on, basie­rend auf Argu­men­ta­ti­ons­ana­ly­se und einer höhe­ren, unper­sön­li­chen Ebene.

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