Sammeln, Sammeln, Sammeln

Was ist es?

Unser Ziel:

Mit die­sem Schritt ver­schaffst du dir einen Über­blick über das Cha­os in dei­nem Kopf. 

Motivation / wünschenswertes Ergebnis:

Du weißt ganz genau, dass nichts mehr irgend­wo“ lauert.
Mit jedem Punkt mehr auf der Lis­te, bekommt die schein­bar unend­li­che Mas­se an Auf­ga­ben eine klar umgrenz­te, über­schau­ba­re Form.

Aufgabe:

Dafür musst du aus­nahms­los ALLE Ange­le­gen­hei­ten (= Ener­gie­vam­pi­re), die dei­ne Auf­merk­sam­keit bean­spru­chen erfassen. 


Du siehst dich nicht mehr einem amor­phen, kon­tur­lo­sen Mons­ter gegen­über, son­dern klar umgrenz­ten, plan­ba­ren und mach­ba­ren Auf­ga­ben. Man neh­me ein paar lee­re Blät­ter und schrei­be alles auf, was einem in den Sinn kommt. 

WICH­TIG: NICHT FILTERN

Wenn du nicht mehr hin­ter­her kommst mit den losen Enden“ dei­nes Lebens: 

SCHREIB.

Beispiele

Bei­spie­le für Kate­go­rien, in denen sich lose Enden ansammeln: 

  • Pri­va­te Verpflichtungen
  • Beruf­li­che oder schu­li­sche Verpflichtungen
  • Bezie­hun­gen
  • Haus­halt
  • Kau­fen
  • Papier­kram
  • War­ten auf ande­re (Kol­le­gen, Hand­wer­ker, Kla­vier­stim­mer, ein Paket…)
  • Nicht abge­schos­se­ne Projekte
  • See­li­sches Wohl­be­fin­den (Schuld­ge­füh­le, Selbst­zwei­fel, Sor­gen, Ängs­te usw.)
  • Aus­flü­ge und Reisen
  • Unter­neh­mun­gen
  • Ver­an­stal­tun­gen
  • Hob­bys (neue und alte)
  • Geburts­ta­ge, Hoch­zei­ten, Jubiläen
  • Net­wor­king, Kontaktpflege
  • Unter­neh­mun­gen
  • Ver­an­stal­tun­gen
  • Ehren­äm­ter
  • Anschaf­fun­gen
  • Repa­ra­tu­ren, Wartung
  • Hob­bys (neue und alte)
  • Finan­zen, Versicherungen

Das alles gehört auf die Liste:

  • Kel­ler aufräumen
  • Baby­bett verkaufen
  • Bett­zeug waschen
  • Erfah­rungs­be­rich­te zu Din­gen, die man kau­fen möch­te, lesen
  • Baby­spiel­zeug kau­fen (auf Ebay­KA und MamiK­rei­sel suchen, Bud­get fest­le­gen)
  • Blu­men gie­ßen (App)
  • Fil­me, die man noch nicht gese­hen hat (und evtl. eine Lis­te mit Fil­men, die man schon gese­hen hat, ich mei­ne why not)
  • Zahn­arzt­ter­min
  • Kis­sen­be­zug nähen (Oma fra­gen, ob sie es nähen kann?)
  • Müll raus­brin­gen
  • Anwalt kon­tak­tie­ren
  • Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dung
  • Semi­nar in einer ande­ren Stadt besuchen 
  • Eng­lisch lernen 
  • Scu­ba Diving ausprobieren 
  • Kreuz­fahrt machen
  • Näh­kurs / Koch­kurs besuchen 
  • Neu­es Branding 
  • Neu­en Handyvertrag 
  • Abo kün­di­gen
  • Lis­te aller Bücher, die ich lesen will
  • Lis­te aller Bücher, die XX geschrie­ben hat 
  • Bücher auf medi­mops suchen 
  • Kino­fil­me, die ich sehen will 
  • Wochen­end­aus­flü­ge mit Kindern 
  • Sin­gen ler­nen / pro­fes­sio­nel­len Gesangs­kurs belegen 
  • Rezep­te
  • kei­ne Ahnung, wo es hingehört“ 
  • Neu­en Wohn­zim­mer­tep­pich kaufen 
  • Usw.

Schreib auch alles auf, was in dei­nem Kopf mit den Wor­ten beginnt:

  • Ich muss…
  • Ich müss­te…
  • Ich soll­te…
  • Ich darf nicht mehr…
  • Mich nervt…
  • Ich wünsch­te…
  • Hät­te ich doch…
  • War­um hab ich nicht…
  • Ich bereue…
  • Ich habe Angst, dass…
  • Ich hof­fe, dass…
  • Es ärgert mich, dass…
  • Ich bin wütend, weil…
  • Ich bin sau­er auf…
  • Ich füh­le mich schul­dig, weil…
  • Ich kann nicht ver­ges­sen, dass…
  • Das muss ich unbe­dingt ändern…
  • Ich befürch­te…
  • Ich hal­te es nicht mehr aus, wenn…
  • Wie lan­ge soll ich noch…
  • War­um…
  • Usw.

Wie fühlst du dich jetzt?

Leich­ter?
Freier?
Klarer?

Stu­di­en haben gezeigt, dass schon das Schrei­ben an sich, auch bekannt als Bra­in­dum­ping, heil­sam wir­ken kann. Ins­be­son­de­re, wenn man von Hand schreibt.

Sobald man etwas auf­schreibt, aus dem Kopf nach außen beför­dert, wiegt es plötz­lich nicht mehr so schwer.

Schreib dich frei

Schon in den 80er Jah­ren begrün­de­te James W. Pen­ne­baker eine neue Form der The­ra­pie: das expres­si­ve Schrei­ben. Belas­ten­de oder trau­ma­ti­sche Erleb­nis­se in Wor­te zu fas­sen kann der der See­le hel­fen und den Kör­per stär­ken. Das Schrei­ben för­dert die Akti­vi­tät des Immun­sys­tems, wirkt wohl­tu­end bei Erkran­kun­gen und lin­dert depres­si­ve Sym­pto­me.1

Hilf­reich, um Distanz zu trau­ma­ti­schen Erleb­nis­sen zu bekom­men sei es hier­bei, Geschich­ten zu schrei­ben – ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven und Blick­win­kel ein­zu­neh­men und das Erleb­te aus Sicht einer ande­ren Per­son mit ande­ren Wer­ten und Cha­rak­ter­zü­gen neu zu erle­ben und zu bewerten.

Vie­le Stu­di­en haben seit­dem den Effekt der Psy­cho­hy­gie­ne“ durchs Schrei­ben bestä­tigt. Wie oben genannt, sogar mit dem Effekt, dass Tage­buch­schrei­ber auch phy­sisch gesün­der bzw. weni­ger krank­heits­an­fäl­lig sind.

Auch eine Art See­len­ta­ge­buch“ zu füh­ren wird von vie­len Dich­tern, Den­kern und Künst­lern (bekann­te Tage­buch­schrei­ber sind neben Anne Frank z.B. Mozart, Goe­the und Kaf­ka) seit Jahr­hun­der­ten ange­wandt. Schrei­ben lässt einen die Din­ge aus der Vogel­per­spek­ti­ve betrach­ten, man ent­deckt schrei­bend eher neue Ver­knüp­fun­gen und wird so zu neu­en Ideen und Erkennt­nis­sen inspi­riert.

Du lässt alle dei­ne Emo­tio­nen in dein Tage­buch flie­ßen und es saugt sie in sich auf: Frust, Ärger, Wut, Stress, Trau­er, Eifer­sucht. Das ver­schafft Erleich­te­rung und bie­tet Raum für Refle­xio­nen. Du nimmst Emo­tio­nen in Zukunft auch bewuss­ter und facet­ten­rei­cher wahr und kannst so immer frü­her STOP sagen und dich weni­ger über­mannt fühlen.

Man lernt etwas sehr Wesent­li­ches von unschätz­ba­rem Wert: sei­ne Gefüh­le poin­tiert aus­zu­drü­cken. Nicht nur, was man im ers­ten Moment denkt, was einen wütend/​traurig macht, son­dern was tat­säch­lich dahin­ter steckt (meist eine Schicht tie­fer). Man lernt mit der Zeit, das Unsag­ba­re doch aus­zu­drü­cken - das ermög­licht einem, ande­ren davon erzäh­len zu kön­nen und so die Feed­back, Trost und Hil­fe zu bekom­men, die man braucht.

Hilf­reich ist es auch eine Art Glücks-Notiz­buch (auf psy­cho­lo­gisch Res­sour­cen­ta­ge­buch“) zu füh­ren, in das man alle posi­ti­ven und schö­nen Din­ge, die einem pas­sie­ren, notiert. 

Auch sei­ne posi­ti­ven Cha­rak­ter- und Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten, sei­ne Stär­ken, Talen­te, was einem Gutes wider­fah­ren ist, gute Din­ge, die man voll­bracht und gemacht hat, usw. Genau­so kann man Fotos sei­ner Kunst­wer­ke rein­kle­ben, als Col­la­ge, z.B., damit man auf einen Blick sieht, was man schon erschaf­fen hat. Auch eine Lis­te mit allen Erkennt­nis­sen, die man hat­te und was man durch ver­gan­ge­ne Kri­sen gelernt hat, könn­te hilf­reich sein.

Die­ses Büch­lein dient uns also als Erin­ne­rungs­hil­fe, man kann drin blät­tern, wenn dunk­le Wol­ken auf­zie­hen und man ver­gisst, was für ein ein­zig­ar­ti­ger, wun­der­ba­rer und talen­tier­ter Mensch man ist.

Nicht zuletzt bedeu­tet Tage­buch schrei­ben, dass DU dei­ne höchs­te Prio­ri­tät bist. Wenn du meinst, dafür kei­ne Zeit“ zu haben, heißt das im Grun­de nur: ich habe FÜR MICH kei­ne Zeit, genau­er: für die Aus­ein­an­der­set­zung mit mei­nen Gefüh­len, Emo­tio­nen, Wün­schen, Träu­men, Erleb­nis­sen, Erfah­run­gen und Erkennt­nis­sen. Doch wenn du dich nicht kennst, dann lebst du wahr­schein­lich fremd­be­stimmt, fühlst dich wie ein Spiel­ball der Ereig­nis­se, kennst dei­ne Wer­te und ihr WAR­UM nicht und – das beschrei­be ich immer wie­der in die­sem Blog – steckst in einer SACK­GAS­SE fest.

Du musst nicht zwangs­läu­fig ein rie­sen Tage­buch füh­ren, um mehr mit dir in Kon­takt zu kom­men. Ich bie­te dir in mei­nem Blog vie­le Gele­gen­hei­ten und Anre­gun­gen, dir selbst wie­der näher zu kom­men. Zei­ge dir, wie du Schich­ten abwer­fen kannst.

Ein klei­ner Anfang ist z.B. die­ser ers­te Schritt, in dem du ein­fach nur alles auf­schreibst, was sich in dei­nem Kopf ein­ge­nis­tet hat und stän­dig und ste­tig an dei­ner Sub­stanz kratzt wie ein klei­ner, eif­ri­ger Specht.

Pen­ne­baker emp­fiehlt übri­gens 3–5 Tage in Fol­ge etwa 15 Minu­ten lang alles Belas­ten­de niederzuschreiben.

Im zwei­ten Teil, wenn wir eine Inven­tur in dei­ner Woh­nung machen, wirst du genau­so ALLE Doku­men­te, die IRGEND­WO rum­flie­gen (auch die digi­ta­len Doku­men­te) erst ein­mal sammeln. 

Zusammenfassung

ERGEBNIS

In die­sem Schritt hast du voll­stän­dig und umfas­send ALLES erfasst, was an soll­te, muss und müss­te“, ein­schließ­lich Ideen, Sor­gen und Ängs­ten, in dei­nem Kopf herumschwirrte. 

AUSBLICK

Im nächs­ten Schritt tren­nen wir die Spreu vom Wei­zen, in dem wir schau­en, wo kon­kre­ter Hand­lungs­be­darf besteht und wenn ja, ob es viel­leicht jemand ande­res erle­di­gen kann. 

Es wird dar­um gehen, die hei­ßen Punk­te, bei denen die Zeit brennt, herauszufiltern.

Die Ideen in die­ser Arti­kel-Serie basie­ren auf den Metho­den und Prin­zi­pi­en, die David Allen in sei­nem legen­dä­ren Buch Get­ting Things Done® vor­stellt. Ich rei­ße die ein­zel­nen Ele­men­te der Metho­de nur an und prä­sen­tie­re sie in bereits modi­fi­zier­ter, ergänz­ter und auf das digi­ta­le Zeit­al­ter ange­pass­ter Form. Wer die Metho­de David Allens an sich und in ihrer Ganz­heit ver­ste­hen und anwen­den will, dem emp­feh­le ich, sich das Buch zu kau­fen und es zu stu­die­ren. Es wird sich in jedem Fall auszahlen.
Margarita
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Fußnoten

  1. Zitiert nach: Bor­cher­ding, Wil­helm: Johann W. v. Goe­the. Die Lei­den des jun­gen Wert­her: Unter­richts­se­quen­zen Abitur­lek­tü­re. Auer Ver­lag 2018.