Jah­re habe ich auf die­sen Moment gewar­tet und die letz­ten Wochen dar­auf hingefiebert.
Schon immer hat­te ich dabei das Bild einer selbst­be­stimm­ten, natür­li­chen Haus­ge­burt in der Wan­ne, leg­te mich aber nicht fest, weil ich mich nicht zu sehr ver­stei­fen und dar­auf „pro­gram­mie­ren“ woll­te, falls sich die Umstän­de doch ändern soll­ten. War eine gute Idee.

Letzt­end­lich muss­te ich die Idee mit der fried­li­chen Haus­ge­burt bereits beim ers­ten Ultra­schall ad acta legen, als mei­ne Gebär­mut­ter­ano­ma­lie ent­deckt wur­de. Damit bekam ich sogleich den Stem­pel „Risi­ko­schwan­ge­re“ auf­ge­drückt (das wäre ich sowie­so, allein weil ich Rhe­sus nega­tiv bin, das stün­de aber einer Haus­ge­burt nicht im Wege).

Im blau­en Kreiß­saal woll­te ich dann eben gebä­ren — dem mit der Wan­ne. Dass es eine Was­ser­ge­burt sein wür­de war für mich klar, seit ich das ers­te Mal davon erfuhr, dass die­se Opti­on besteht. 

Die­ser Wunsch ist dann spä­tes­tens in der 26. SSW gestor­ben, als du beschlos­sen hast, dass kopf­über lie­gen nicht dein Ding ist und aller­spä­tes­tens, als du es dir ab der 30. SSW in Fuß­la­ge bequem gemacht hast.

Mit der Fuß­la­ge ist vie­les aus­ge­schie­den: eine Geburt in Becken­end­la­ge zum Beispiel. 

Ich hat­te zwar extre­me Angst und gro­ßen Respekt vor einer sol­chen — sie dau­ert län­ger, ist schmerz­haf­ter und natür­lich gefähr­li­cher, in den meis­ten Fäl­len reißt auch alles und es gibt… nun ja… ein hal­bes Blut­bad eben. Aber dir zulie­be habe ich lan­ge mit dem Gedan­ken gespielt. Ich habe sogar ein Kran­ken­haus gefun­den, dass bei mir als Erst­ge­bä­ren­den den Ver­such BEL-Geburt unter­neh­men wür­de. Trotz dop­pel­ter Gebär­mut­ter. Wäre ein zusätz­li­cher Risi­ko­fak­tor. Aber bei Fuß­la­ge war dann Ende (wobei es auch sol­che Gebur­ten gibt, habe ich auf Insta­gram als Video gesehen).

Dich zu ver­lie­ren wür­de ich nie­mals riskieren!

Ich woll­te mich eben erst gründ­lich bera­ten und unter­su­chen las­sen, gera­de auch wegen der Gebärmutter. 

Man war ich hin und her gerissen!!

Am Ende ent­schied ich mich für die für dich sichers­te Vari­an­te, die laut Sta­tis­tik zumin­dest, nur für die Mut­ter Kom­pli­ka­tio­nen mit sich brin­gen kann: den „siche­ren“ oder zumin­dest „plan­ba­ren“ Kai­ser­schnitt.

Naja, genau genom­men hast du hast es für mich ent­schie­den . 😉

Und ich war wirk­lich erleich­tert als ich „end­lich“ end­gül­tig alle ande­ren Optio­nen aus­schlie­ßen konnte: 

  • Kei­ne „äuße­re Wendung“,
  • kei­ne Becken­end­la­gen­ge­burt auf Risiko.

Es blieb nur noch ein Wunsch übrig: wenigs­tens im M*-Hospital will ich entbinden! 

Ich kann mich ja mit allem anfreun­den, aber die­ses Kli­ni­kum MUSS sein: es ist still­freund­lich und als „baby­freund­lich“ zer­ti­fi­ziert — ZER­TI­FI­ZIERT.

Das bedeu­tet unter ande­rem, dass jede Heb­am­me zugleich aus­ge­bil­de­te (!) Lak­ta­ti­ons­be­ra­te­rin ist — die von 10 Frau­en min­des­tens 8, meis­tens 9 Frau­en einen erfolg­rei­chen Still­start ermög­li­chen. Außer­dem gibt es Fami­li­en­zim­mer und gera­de nach einem Kai­ser­schnitt, wo mal län­ger dort fest­hängt, war es mir unend­lich wich­tig, in so einem unterzukommen!

Baby­freund­li­che Kli­ni­ken ermög­li­chen direkt nach der Geburt eine unge­stör­te Kon­takt­auf­nah­me. Das bedeu­tet für das Neugeborene: 
  • unmit­tel­ba­rer Haut­kon­takt (auch nach einem Kaiserschnitt)
  • ver­trau­er­ter, beru­hi­gen­der Herzschlag
  • Wär­me, Sicher­heit und Geborgenheit
  • der freie Weg zur Brust und der ers­ten Mahlzeit
Die ers­ten Stun­den und Tage nach der Geburt bil­den die Eck­pfei­ler für die spä­te­re Ent­wick­lung der Gefühls­welt des Kin­des: der Haut-zu-Haut-Kon­takt („bon­d­ing“) prägt die Bin­dung zu den Eltern sowie das Urver­trau­en. Das Urver­trau­en bil­det die Basis für die Ent­wick­lung von Selbst­be­wusst­sein und Selbstvertrauen. 
Stil­len ist nicht nur Nah­rung für dein Kind, son­dern ein wich­ti­ges Bezie­hungs­ri­tu­al. Stil­len bzw. die Brust ist für das Kind 
  • die bes­te Ernährungsform
  • gelieb­tes Ritual
  • natür­li­ches Schmerzmittel
  • Beru­hi­gungs­mit­tel
  • Rück­zugs­ort
  • Ent­span­nung
  • Gebor­gen­heit
Die ers­ten Stun­den und Tage sind für die zukünf­ti­ge Still­be­zie­hung ent­schei­dend. Es gibt vie­le Stör­fak­to­ren, die Ein­fluss auf die dyna­misch regu­lier­te Milch­pro­duk­ti­on und das Trink­ver­hal­ten des Baby haben. Dar­um sind kom­pe­ten­te, pro­fes­sio­nel­le Lak­ta­ti­ons­be­ra­te­rin­nen von unschätz­ba­rem Wert für jede neue Mut­ter. Sie kön­nen auf Anhieb erken­nen, wenn etwas nicht rund läuft und so schon vor­beu­gend bera­ten, damit Pro­ble­me gar nicht erst auf­kom­men. Eben­so reicht oft schon ein Hand­griff oder ein Wort aus und ein „Kno­ten“ im Kopf löst sich und es läuft (wie­der) rund. Baby­freund­li­che Kli­ni­ken sind dar­um still­freund­lich. Das heißt, dass sie für opti­ma­le Still-Bedin­gun­gen sorgen: 
  • Fami­li­en­zim­mer verfügbar
  • fami­liä­re Atmosphäre
  • Roo­m­ing-in: rund um die Uhr mit dem Baby zusammen
  • Bon­d­ing und Haut-zu-Haut auch mit Vater möglich
  • kei­ne stö­ren­den Routinemaßnahmen
  • alle Unter­su­chun­gen des Babys im Bei­sein der Eltern
  • Kin­der­ärz­te besu­chen einen im Fami­li­en­zim­mer (z.B. für die U2, Hör­test, usw.)
Die Basis ist natür­lich das kor­rek­te Anle­gen. Jedes Baby saugt reflex­ar­tig erst mal an allem, was man ihm in den Mund steckt. Doch das heißt lei­der nicht, dass es auch an der Brust sofort „rich­tig“ andockt und so die maxi­ma­le Men­ge an Milch her­aus bekommt — ohne Schmer­zen für dich.  Das ver­zwick­te ist: legst du falsch an, tut es sehr weh (sie­he dazu auch mein Pin­te­rest-Board „Rund ums Baby — Stil­len“) und dein Baby wird nicht satt, obwohl es nuckelt wie ein Weltmeister.  Übri­gens, daher kommt auch der Mythos „zu wenig Milch“, der zum Teil über Genera­tio­nen als „Fami­li­en­krank­heit“ wei­ter „ver­erbt“ wird. Es mag Aus­nah­me­fäl­le geben (im ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich), in dem es tat­säch­lich zu wenig ist, aber ganz sicher ist es nicht nor­mal und kommt so in der Natur auch nicht vor, dass jede drit­te Frau „zu wenig Milch“ hat. Im Gegen­teil, die Natur hat da sehr gut vor­ge­sorgt und eine Frau kann im Schnitt bis zu drei Kin­der gleich­zei­tig stil­len (man­che schaf­fen auch mehr).  Durch­hal­ten lohnt sich also, das sagen gera­de die Frau­en, die am Anfang Schwie­rig­kei­ten haben und kämp­fen muss­ten (meist, weil sie eben am Anfang nie­man­den hat­ten, der es ihnen gleich rich­tig gezeigt hätte).  Aller­dings soll­te man sich auch nicht zu lan­ge quä­len oder zu sehr unter Druck set­zen — denn auch das sorgt einer­seits durch die Stress­hor­mo­ne (auch Schuld­ge­füh­le lösen Stress im Kör­per aus) dafür, dass der Milch­fluss gehemmt wird und ande­rer­seits ist es dann wie­der­um nicht gut für die Beziehung.  Ich fin­de, am bes­ten fährt man mit der Ein­stel­lung, dass man zunächst alles gelas­sen akzep­tiert — auch Anfangs-Still­pro­ble­me — und ver­sucht, mit einer pro­fes­sio­nel­len Still­be­ra­te­rin (plus Zweit­mei­nung ;)), die Stell­schrau­be zu fin­den, an der man dre­hen muss bzw. den Knack­punkt, war­um es nicht klappt/​weh tut. Wenn man aber merkt, man kommt in eine nega­ti­ve Spi­ra­le und es schau­kelt sich hoch und wird immer schlim­mer (Bauch­ge­fühl hilft auch), dann soll­te man eben abpum­pen oder Pre­milch geben — ent­spannt, ohne Schuld­ge­füh­le und 100% der Auf­merk­sam­keit beim Baby. 
In einer baby- und still­freund­li­chen Kli­nik ist dein Baby vom ers­ten Moment, da es die Welt erblickt, bis du es mit nach Hau­se nimmst, mit dir zusam­men. Nie­mand kommt und nimmt es für Unter­su­chun­gen mit. Ent­we­der du gehst mit ihm oder die Unter­su­chun­gen fin­den direkt auf dem Zim­mer statt. Ein Fami­li­en­zim­mer ermög­licht es, wie der Name schon sagt, dass der Vater für die Dau­er des Auf­ent­halts mit „ein­zieht“. Das ist gera­de für Müt­ter, die eine Kai­ser­schnitt­ge­burt hat­ten von unschätz­ba­rem Wert. Sie kön­nen sich die ers­ten Tage kaum bewe­gen oder gar auf­ste­hen, da ist es hilf­reich, wenn Papa die Win­deln wech­selt und Mama mit Was­ser und Essen versorgt. 

In einer baby- und still­freund­li­chen Kli­nik krie­gen die Babys kei­ne Schnul­ler, um eine Saug­ver­wir­rung zu ver­mei­den. Die ers­ten Stun­den und Tage sind ent­schei­dend für das Gelin­gen des Stil­lens. Die ers­te Milch, das soge­nann­te „Kolos­trum“, ist hoch­kon­zen­triert mit Nähr­stof­fen, um an sie ran zu kom­men, muss das Baby mit der rich­ti­gen „Tech­nik“ sau­gen. Ja, es muss zu Anfang rich­tig „arbei­ten“, um an die Mut­ter­milch zu kom­men. Gibt man dem Baby, wenn es die Tech­nik noch nicht raus hat, Milch aus einem Fläsch­chen oder einen Schnul­ler, bekommt es die Milch ohne groß­ar­ti­gen Auf­wand her­aus und wird sich dann spä­ter nicht an der Brust abmü­hen wol­len, son­dern direkt das Fläsch­chen verlangen.

Auch der Sau­rhyth­mus am Schnul­ler ist anders, sodass die Babys das „effek­ti­ve“ Sau­gen an der Brust ver­ler­nen.

In der Zeit kann es bei der Mut­ter zum Milch­stau kom­men oder einer sehr schmerz­haf­ten Mas­ti­tis. Denn die Milch in den ers­ten Stun­den und Tagen fließt reich­lich. Der Kör­per braucht die Zeit, um in Wech­sel­be­zie­hung mit dem Baby den Milch­fluss zu „jus­tie­ren“. Auf­grund der Schmer­zen und weil das Baby „eh nicht will“ geben vie­le Frau­en zu früh auf. Um die sen­si­ble Still­be­zie­hung also nicht unnö­tig zu gefähr­den, ver­zich­ten still­freund­li­che Kran­ken­häu­ser auf Schnul­ler und Flaschenmilch.

Ein Beru­hi­gungs­sau­ger erfüllt haupt­säch­lich eben die­se Funk­ti­on: das Baby beru­hi­gen. Es wird emp­foh­len, wenn man auf den Schnul­ler gene­rell nicht ver­zich­ten möch­te, erst 6 Wochen nach der Geburt einen sol­chen anzu­bie­ten, um eben einer mög­li­chen Saug­ver­wir­rung vor­zu­beu­gen. (Mein Sohn woll­te danach kei­nen Schnul­ler mehr, es war hart, aber ich bereue es nicht, da er sich bald ziem­lich gut selbst beru­hi­gen konn­te. Eine Kom­pe­tenz, die er sonst nicht hätte.) 
Außer es ist medi­zi­nisch not­wen­dig, gibt es auch kei­ne künst­li­che Nah­rung oder ande­re Flüs­sig­kei­ten für das Baby. Statt­des­sen wird der Mut­ter gezeigt: 
  • wie sie anhand der Zei­chen des Kin­des deu­ten kann, wann es trin­ken möchte
  • wie sie erkennt, wann das Baby Ruhe möchte
  • wie sie erkennt, wann es Kon­takt möchte
  • sie wird ermun­tert, die Signa­le selbst zu erkennen
…jen­seits des Schnul­lers

Zer­ti­fi­zier­te Still­be­ra­te­rin­nen zei­gen dir lie­be­vol­le Beru­hi­gungs­maß­nah­men (z.B. Nuckeln an dei­nem Fin­ger) und das rich­ti­ge „Hand­ling“ dei­nes Babys. Dazu zäh­len auch ver­schie­de­ne Still­po­si­tio­nen und das effek­ti­ve Anle­gen, wie oben erwähnt. 

Die Mit­ar­bei­ter in still­freund­li­chen Kli­ni­ken wer­den kon­ti­nu­ier­lich spe­zi­ell geschult. Sie ver­fü­gen daher über wis­sen­schaft­lich fun­dier­tes Wis­sen und hohe Kom­pe­tenz was das The­ma Stil­len, Bon­d­ing und Beru­hi­gen von Babys betrifft.  In mei­ner Kli­nik wur­de auch nach der Ent­las­sung wei­ter mit Hin­ga­be unter­stützt. Im Milch­ca­fé, das wöchent­lich statt­fin­det, bera­ten aus­ge­bil­de­te Still­be­ra­te­rin­nen und Heb­am­men bei alle Fra­gen rund ums Stil­len. Es ist auch ein gute Gele­gen­heit sich mit ande­ren stil­len­den Müt­tern aus­zu­tau­schen, was ich beson­ders hilf­reich fand. Auf dem Spiel­platz geht man halt eher nicht rüber und fragt: du sag mal, wie ist das bei dir mit dem Stillen? Bei Pro­ble­men gibt es dann auch selbst­ver­ständ­lich eine indi­vi­du­el­le Still­be­ra­tung. Ich habe nur posi­ti­ve Erfah­run­gen gemacht und auch von ande­ren Müt­tern nur gutes Feed­back gehört.  Wich­tig: man darf wirk­lich alles fra­gen. Egal wie „doof“ das viel­leicht klingt oder wie „pein­lich“ es ist. Alles, was irgend­wie Ein­fluss auf dei­ne See­le hat, hat Ein­fluss auf dei­ne Milch­pro­duk­ti­on und auf dein Baby und sein Still­ver­hal­ten. Dei­ne Ängs­te und Unsi­cher­hei­ten, Sor­gen und Befürch­tun­gen: dein Kind absor­biert die­se Gefüh­le und wenn ein Gespräch da even­tu­ell schon Abhil­fe schaf­fen könn­te, dann soll­test du es ris­kie­ren. Die Frau­en, die sich dort tref­fen gehen dort hin, um selbst Hil­fe zu bekom­men oder ande­ren zu hel­fen — nicht, um mit dem Fin­ger auf jeman­den zu zeigen.  Wenn du also die Mög­lich­keit hast, so ein Milch­ca­fé zu besu­chen (am bes­ten noch wäh­rend der Schwan­ger­schaft infor­mie­ren!) — dann trau dich!

Hal­te durch, hal­te bit­te durch!

Bleib drin bis zur 36. SSW, habe ich gefleht. 

Aber du warst da ganz gelas­sen. Dei­ne Herz­tö­ne waren zuver­läs­sig wie ein Schwei­zer Uhr­werk. Du hast dich von mei­nen ewi­gen vor­zei­ti­gen Wehen nicht beein­flus­sen lassen.

Nach der 36.SSW konn­te auch ich damit gelas­se­ner umgehen. 

Ich hat­te es im Gefühl: du hast es dir gemüt­lich gemacht. Du bleibst bis zum letz­ten Tag xD

Und ich hat­te Recht! Knapp drei Tage vor dei­nem Ent­bin­dungs­ter­min wur­dest du geholt — dan­ke an die­ses Kli­ni­kum, das mir und uns das ermög­licht hat! 

Ich fän­de es ein­fach furcht­bar, nur auf­grund eines Kran­ken­haus-Zeit­plans, dei­ne lang­fris­ti­ge Gesund­heit und Ent­wick­lung aufs Spiel zu set­zen, indem man dir ohne medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on Mit­tel gespritzt hät­te, um die Lun­gen­rei­fe zu beschleu­ni­gen und dich dann ein­fach frü­her raus­ge­holt hät­te. Unvor­be­rei­tet. Zu früh. Raus geris­sen aus der gemüt­li­chen Höh­le. Furcht­ba­rer Gedanke!

Ich bin unend­lich dank­bar dafür, dass du blei­ben konn­test, bis du „reif“ und bereit warst raus zu kom­men. Und das warst du, wie wir sehen werden.

Lei­der blieb mir die Geburts­er­fah­rung erspart. 

Die­ser beson­de­re, ein­zig­ar­ti­ge, trans­for­ma­ti­ve Moment im Leben einer Frau, der durch nichts zu erset­zen ist und dem die männ­li­chen Kon­sor­ten unse­rer Spe­zi­es bis in alle Ewig­kei­ten nur benei­den können.

Die Geburt, so die ein­stim­mi­ge Mei­nung der glück­li­chen Frau­en, die sie erle­ben durf­ten — ist mit NICHTS zu ver­glei­chen. (Die Wis­sen­schaft tut es trotz­dem: wie, wenn alle Kno­chen im Kör­per gleich­zei­tig bre­chen. Ich soll­te froh sein, dass mir das erspart blieb.) 

ABER:

Aber mir fal­len hun­dert Grün­de ein, war­um ich es nicht bin.

Natür­lich hängt es von vie­len Fak­to­ren ab, dass die Erfah­rung trans­for­ma­tiv im posi­ti­ven Sin­ne ist. 

Ja, es gibt sie, die Frau­en, die DAS Geburts­er­leb­nis hatten.

Das sagen­um­wo­be­ne, mys­ti­sche Moment an des­sen Ende man sein klei­nes Würm­chen im Arm hält: schweiß­ge­ba­det, erschöpft bis kurz vor der Ohn­macht, aber so glück­lich wie man auf kei­ner Dro­ge der Welt sein kann. Abso­lut HIGH

Über die Vor­tei­le einer natür­li­chen (Haus-)Geburt wer­de ich noch­mal geson­dert schrei­ben, es gibt hun­der­te von Stu­di­en mit signi­fi­kan­ten Ergeb­nis­sen und noch viel mehr Erfah­rungs­be­rich­te, die davon zeu­gen, dass die­se Form des Zur-Welt-Kom­mens die ein­zig wah­re* und bes­te* ist, was alle Fak­to­ren betrifft: gesund­heit­li­che, wie psy­chi­sche und see­li­sche sowie bezie­hungs­tech­ni­sche (was noch­mal in beson­de­rer Form für die Haus­ge­burt gilt — der nach­weis­lich immer noch sichers­ten und schon­ends­ten Form der Geburt).

Ich habe in den letz­ten 6 Wochen alles ver­sucht, um dich zum Dre­hen zu ani­mie­ren. Und in der letz­ten Woche hast du dich auch sicht­lich und fühl­bar bemüht — doch 

du hat­test kei­ne Chance.

Aus irgend­ei­nem Grund ist es dein Schick­sal so zur Welt zu kom­men: raus­ope­riert.

Kai­ser­schnitt. Sau­ber. Prä­zi­se. Effi­zi­ent. Es ist eine sehr nüch­ter­ne Art. Sehr „zivi­li­siert“. Es gibt kei­ne Trä­nen, kei­ne Flü­che, kein Geschnau­fe, kei­nen Schweiß und auch kei­ne Schmer­zen. Fast wie ein Zahnarztbesuch.

Naja, nicht ganz. Und Schmer­zen hat man SPÄ­TER auf jeden Fall genug.

ABER — es sind eben „nur“ Schmer­zen. Die ganz nor­ma­len, „har­ten“, Schmer­zen, die einen quä­len OHNE trans­for­ma­tiv zu sein. Dar­um wer­den sie zunächst auch mit eine Pfer­de­la­dung Ibu* betäubt. Sie haben kei­nen „Zweck“, sie nüt­zen nichts. Sie brin­gen auch nichts.

Der Geburts­schmerz ist etwas völ­lig ande­res! Es ist ein „guter“ Schmerz. Ein „wich­ti­ger“, ein Schmerz mit „Mis­si­on“. Er erfüllt einen Zweck und er ver­mischt sich mit *trom­mel­wir­bel* HOR­MO­NEN. Vie­len, vie­len Hormonen.

Die­se Hor­mo­ne, hab ich gele­sen, haben auch einen Zweck. 

Sie brin­gen die Geburt in Gang, sie lei­ten den Kör­per an das zu tun, was er tun muss, in der „rich­ti­gen“ Zeit bzw. Sekun­de, in der „rich­ti­gen“ Dosie­rung, an der „rich­ti­gen“ Stel­le — damit das Kind am Ende unver­sehrt durch den Geburts­ka­nal wan­dern kann — aktiv.

Es ist ein hoch­kom­ple­xes, selbst­re­gu­la­ti­ves (Regelkreis-)System, das, sobald man von außen ein­greift (= #Inter­ven­ti­ons­kas­ka­de) zusam­men­bricht.

Das kennt jede Frau, die Sturz­we­hen dank Wehentropf erlei­den musste. 

Die ein­ge­lei­te­te Geburt: mitt­ler­wei­le weiß man, dass das — obwohl, das Kind unten raus kommt — mit einer „natür­li­chen“ (= selbst­re­gu­lier­ten) Geburt nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. 

Unun­ter­bro­che­ne Wehen, die man nicht mehr ver­at­men kann, die wie ein „gewal­ti­ger Tsu­na­mi über einen her­ein­bre­chen“ — das ist KEI­NE natür­li­che Geburt!

(Aber dazu an ande­rer Stel­le mehr)

Bei der ech­ten, „natür­li­chen“ Geburt, wird das Kind mit­tels Hor­mo­nen ange­lei­tet, AKTIV an der Geburt teil­zu­neh­men. Es muss sich am Ende sogar tat­säch­lich höchst­selbst im Becken­kamm drehen.

Die­se Betei­li­gung ist in vie­ler­lei Hin­sicht nicht zu unterschätzen! 

Klar, phy­sio­lo­gisch auf jeden Fall. Durch die Enge im Geburts­ka­nal, wird rest­li­ches Frucht­was­ser aus den Lun­gen gepresst, damit das mit dem ers­ten Schrei auch was wird. Aber auch psy­chisch pas­siert eini­ges durch die­ses Erleb­nis. (Dazu auch an ande­rer Stel­le mehr.)

Es ist eben DOCH wich­tig, WIE wir zur Welt kommen.

Das zeigt mitt­ler­wei­le — sehr zau­dernd, weil para­dig­men­zer­stö­rend — (wider­wil­lig und zau­dernd) auch die moder­ne Forschung.

Jeden­falls war unser Erleb­nis ein anderes. 😉

Ich bin gespannt, wie du dich ent­wi­ckelst und wie sich dein Weg auf die­se Erde in dei­nem Leben spie­geln wird.

Dass es das wird, steht nach allem, was ich gele­sen habe, fest. 

Auch wenn noch nicht alles, was dazu geschrie­ben wur­de, mit „har­ten“ wis­sen­schaft­li­chen Fak­ten beleg­bar ist (noch nicht, viel­leicht auch nie, wir spre­chen von einem kom­ple­xen dyna­mi­schen Sys­tem und davon ver­ste­hen unse­re Wis­sen­schaft­ler immer noch nicht all­zu viel — das ist ein offe­nes Geheim­nis), so zie­he ich für mich nach die­ser Lek­tü­re ver­mischt mit mei­nem aktu­el­len Erfah­rungs­schatz und (immer­hin von vie­len Sei­ten als beein­dru­ckend beti­tel­ten) intui­ti­vem psy­cho­lo­gi­schen Ver­ständ­nis­ses und Spür­sinns, die­sen Schluss.

Nun zurück zu dei­ner Geburt:

Der Kaiserschnitt

Zunächst wur­de mir ein Zugang gelegt. Das allei­ne war schon so slap­stick­haft und gro­tesk, dass ich lachen muss­te. Ich mei­ne: mei­ne Venen sprin­gen einen förm­lich an und noch NIE hat jemand — auch nicht die unge­üb­tes­te Schwes­ter — es geschafft, dane­ben zu tref­fen. Ich war also recht ent­spannt. Nor­ma­ler­wei­se eine Sache von weni­gen Sekunden.

Nicht an die­sem Tag.

Dis­c­lai­mer: Die­sen Arti­kel habe ich schnell run­ter­ge­schrie­ben, um nicht voll­ends alles zu ver­ges­sen. Ich muss sagen, beim Durch­le­sen klin­gen man­che Din­ge „lapi­da­rer“ als ich es mei­ne. Ich habe wirk­lich JAH­RE damit ver­bracht, mich über Gebur­ten und Geburts­ver­läu­fe zu infor­mie­ren. Ich habe tat­säch­lich BÜCHER gekauft zum The­ma Geburt. War­um? Dazu muss ich einen Bei­trag ver­fas­sen, ich kam jeden­falls um 10 Ecken zum The­ma und es ließ mich nicht los, weil so viel Unrecht in der Geburts­hil­fe geschieht! Und weil es ein ein­schnei­den­des, ein­ma­li­ges Erleb­nis ist UND weil es sowohl Mut­ter als auch Kind ent­we­der eupho­risch oder tief trau­ma­ti­siert zurück­lässt. Wenn es um Frau­en­rech­te geht, fin­de ich, könn­te man getrost beim The­ma selbst- bzw. fremd­be­stimm­te Geburt anfan­gen. (Buch­emp­feh­lun­gen und ‑rezen­sio­nen (geschrie­ben, noch nicht hoch gela­den, kommt aber noch), fin­det ihr auf der gleich­na­mi­gen Sei­te im Menü.)

MEIN Geburts­er­leb­nis ist und war mir nie­mals wich­ti­ger, als dass mein Sohn so ent­spannt und stress­hor­mon­frei wie mög­lich auf die­se Welt kommt! Und ganz im Grun­de war und bin ich ein­fach nur froh, dass es über­haupt geklappt hat! ABER es wäre schlicht­weg ego­is­tisch zu sagen, dass mir daher das WIE sei­nes Zur­welt­kom­mens gleich sei oder sein soll­te. Denn wenn man einen Ein­fluss hat — was hier der Fall war — sehe ich es als mei­ne Ver­ant­wor­tung an, mich zu infor­mie­ren und dafür ein­zu­set­zen, dass nur so viel wie nötig und so wenig wie mög­lich in den natür­li­chen Geburts­vor­gang ein­ge­grif­fen wird — auch unmit­tel­bar NACH der Ent­bin­dung. Hier fängt für mich das akti­ve Mut­ter­sein an.
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  • Das geht ja gut los… 

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    Der Zugang (kriegt sogar einen eigenen Absatz)

    Die neue, ein­zu­ar­bei­ten­de ÄRZ­TIN soll­te es „mal ver­su­chen“. Ich ver­trau­te ihr voll und ganz und gab gelas­sen und wohl­wol­lend mein Ein­ver­ständ­nis. Doch AUTSCH. Das war DANE­BEN. Ohje…und das war die GUTE Stel­le an der Hand! Nach mei­ner Erfah­rung im Kran­ken­haus, mit dem Zugang in der Arm­beu­ge, wuss­te ich: nie wie­der da!! Vor allem nicht bei dei­ner Geburt, ich will mich nicht an die­sem schöns­ten Tag mit unnö­ti­gen Schmer­zen quä­len — zusätz­lich zu denen, von denen ich nicht mal ahnen konn­te, wie …naja, dazu kom­men wir gleich.

    Also ver­such­te es der Arzt selbst. Puh, Erleichterung!

    Doch AUTSCH!

    Schon wie­der dane­ben! Das kann doch nicht…!!

    Es brauch­te DREI Ver­su­che, um das Ding rein zu krie­gen. Was soll­te das denn? Was soll das BEDEU­TEN? Ich mei­ne, das MUSS doch was bedeu­ten?! Ich fand, dass es ein schlech­tes Omen sei, aber habe den Gedan­ken schnell bei­sei­te gescho­ben. Zufall. Es war rei­ner Zufall.

    Ich wur­de ins Zim­mer gescho­ben. Ein hüb­sches, gemüt­li­ches Zim­mer. Ich füh­le mich wohl da. Die Heb­am­me war nett, sie schrieb noch rasch ein EKG. Alles super. Kei­ne Wehen.

    Da lag ich also. 

    Bald wür­dest du da sein. 

    Ich bin total ent­spannt. Ich muss mich nicht sorgen. 

    Klar, es „könn­te“ was schief gehen. Aber mal ehr­lich: ein Kai­ser­schnitt ist ein Rou­ti­ne­ein­griff, da müs­sen die Ärz­te schon arg über­ar­bei­te­tet oder betrun­ken sein, um das nicht hin­zu­be­kom­men — ins­be­son­de­re einen GEPLAN­TEN Kai­ser­schnitt kön­nen die Ärz­te mit Skal­pell in der einen und der Kaf­fee­tas­se plus Zei­tung in der ande­ren Hand ausführen.

    Off­topic: Ein Not­kai­ser­schnitt ist natür­lich etwas ande­res. Man muss schnell machen. In der Het­ze kön­nen Feh­ler pas­sie­ren. War­ten bis die Betäu­bung wirkt? Oder die Nabel­schnur aus­pul­siert ist? Auf kei­nen Fall! Da sowas aber immer pas­sie­ren kann, lohnt es sich vor­ab einen „Geburts­plan C“ zu erstel­len. In dem regelt man z.B., dass das Kind nach der Ent­bin­dung direkt dem Vater über­ge­ben wird und skin-to-skin mit dem Vater ermög­licht wird. Dass du trotz allem, sobald es mög­lich ist, stil­len möch­test, dass das Kind also kei­nen Schnul­ler bekommt, um eine Saug­ver­wir­rung zu ver­mei­den und dass du nicht allei­ne auf­wa­chen möchtest.

  • Wehen abwarten? 

    Ja oder Nein?

    Zuerst woll­te ich ver­ein­ba­ren, auf die Wehen zu war­ten. Wehen wären ein Zei­chen für DICH, dass es jetzt „los geht“. Du wärst vor­be­rei­tet und wür­dest nicht ein­fach bru­tal aus dem war­men, kusche­li­gen Ort und medi­ta­ti­vem Seins­zu­stand in die grel­le, kal­te und sehr lau­te Welt beför­dert werden.

    Aber dann wür­de es höchst­wahr­schein­lich auf einen Not­kai­ser­schnitt hinauslaufen. 

    Ich könn­te erst ein­che­cken, wenn das Was­ser läuft. Doch da du fuß­ab­wärts lagst, hie­ße das, ich müs­se sofort auf die Tra­ge. Es wäre hek­tisch gewor­den. Ich hät­te Angst bekom­men — die angst­be­ding­ten Stress­hor­mo­ne wür­den dich fluten. 

    DU wärst gestresst. Das woll­te ich nicht.

    Ja, eine Geburt IST stres­sig — AUCH für’s Kind. Das MUSS so sein. ABER -

    Es ist GUTER Stress, NOT­WEN­DI­GER, trans­for­ma­ti­ver Stress.

    Und dazu kom­men — die HOR­MO­NE

    Sie glei­chen das aus. 

    Es ist wie ein Orchester. 

    Ein bun­ter, wun­der­schö­ner Tanz (wenn man nicht eingreift!). 

    Die Geburt ent­fal­tet sich ganz von allei­ne (sie­he Allein­ge­burt).

    Nicht bei uns. 

    Tut mir Leid.

    Am Frei­tag vor dei­ner Geburt ent­schie­den wir uns nach lan­gem Hin und Her dagegen.

    Die Daten­la­ge ist sehr dünn, auf Erfah­run­gen konn­te sich weder das Kran­ken­haus, noch die Heb­am­men oder Ärz­te berufen. 

    Zum Glück gab es die­se EINE Heb­am­me, die sich wei­ter­bil­de­te und gera­de erst kürz­lich an einem Kon­gress teil­ge­nom­men und dort erfah­ren hat­te, dass laut neu­es­ter For­schung das Abwar­ten der Wehen vor einem geplan­ten Kai­ser­schnitt kei­ne posi­ti­ven Effek­te hat­te.

    Ich ver­trau­te dar­auf, dass du mit­krie­gen wür­dest, dass nun „etwas“ pas­sie­ren würde. 

    Etwas ande­res als der Alltag. 

    Ich war schließ­lich ner­vös, schon ges­tern und den gan­zen Morgen. 

    Der Spa­zier­gang vor­her (den ich GOTT SEI DANK machen durf­te), war einer­seits gut, um run­ter­zu­kom­men, ande­rer­seits bin ich immer solan­ge auf­ge­regt, bis ich am Ort des Gesche­hens ein­tref­fe. Das ist vor jeder Prü­fung, jedem Kon­zert und jedem Arzt­be­such der Fall. 

    Das EKG wür­de dich in jedem Fall „wecken“.

    Aber auch so merk­te ich, dass du lang­sam „bereit“ warst. 

    Du hast in den letz­ten drei Tagen sehr aktiv ver­sucht dich zu drehen. 

    Du hast gepol­tert und getre­ten — es war auch wirk­lich zu eng geworden. 

    Es war heiß, du hast den ein oder ande­ren Stoß abbe­kom­men (ent­schul­di­ge ^^’).

    Du hat­test kei­nen Bock mehr und Lust auf etwas Neues 😉

  • Der Keller des Grauens 

    Es war end­lich soweit. 

    Oh got­toh­gott. Ich wur­de wie ein rich­ti­ger „Pati­ent“ auf dem Bett in den Fahr­stuhl gerollt. 

    A. durf­te mit­kom­men. Dann fuh­ren wir in den — Kel­ler. Jep.

    Als Laie und glück­li­che Per­son, die noch nie ope­riert wer­den muss­te, aber wäh­rend der Schwan­ger­schaft ein gro­ßer Fan von Grey’s Ana­to­my gewor­den ist, dach­te ich ja, dass die OP in einem extra „Flü­gel“ statt­fän­de — nicht weit ent­fernt von den Geb­är­zim­mern, der „Normal“-Gebärenden.

    Falsch gedacht.

    Ich soll­te auch räum­lich noch wei­ter von einer „nor­ma­len“ Geburt ent­fernt werden.

    Dort ange­kom­men, wur­de ich noch im Flur vom beque­men Bett auf eine sehr schma­le und har­te TRA­GE, die in der Mit­te zusam­men­klapp­bar und daher uneben war, AUF DEM RÜCKEN LIE­GEND platziert. 

    Von zwei net­ten Hel­fern, die über mei­nen nicht vor­han­de­nen Bauch wit­zel­ten. Ich lach­te und erzähl­te auch ihnen — komm, wer weiß es schließ­lich noch nicht — von mei­ner dop­pel­ten Gebär­mut­ter, womit sie sicht­lich nichts anfan­gen konnten.

    (Jetzt muss ich sagen, dass es wirk­lich unan­ge­bracht war von ihnen, schließ­lich hät­te es sein kön­nen, dass dies ein geplan­ter Kai­ser­schnitt war, der wie nor­ma­ler­wei­se üblich eini­ge Wochen VOR dem Geburts­ter­min ange­setzt wur­de. Viel­leicht aus medi­zi­ni­schen Grün­den. Das hät­te mir pas­sie­ren kön­nen. Du hät­test zu früh kom­men kön­nen, weil es zu eng wür­de, und ich wür­de hier lie­gen und BAN­GEN, weil du wirk­lich noch zu klein und dei­ne Lun­ge ent­spre­chend noch nicht ent­wi­ckelt wäre!! Ich hät­te fürch­ter­li­che Angst, die schlimms­te in mei­nem Leben!)

    Aua.

    Nun spür­te ich jede Ril­le im Boden. 

    Und wo bit­te war ich? 

    Es sah unge­lo­gen und nicht über­trie­ben aus wie ein sowje­ti­scher Nach­kriegs­bun­ker. In schö­nen ros­t­rot-Tönen und vie­len Roh­ren und all sowas. Wäre ich bewusst­los gewe­sen und wür­de hier auf­wa­chen — ich hät­te die­sen Thril­ler im Kopf, wo man ent­führt, betäubt und dann in einem zum OP-Raum umfunk­tio­nier­ten lee­ren Schul­ge­bäu­de auf­wacht, wo einem jemand ille­gal ein Organ ent­fernt hätte.

    Aber ich war ja wach. Das gehör­te offen­sicht­lich zum Krankenhaus. 

    Nun gut.

    Ich wur­de nun in eine Art klei­ne Abstell­kam­mer geschoben. 

    So sah die­ser Raum jeden­falls aus. 1,5x2m etwa, Rega­le mit allem mög­li­chen Zeug, ein Dreh­stuhl und mei­ne Wenigkeit. 

    Ohje, wo und wie bin ich hier nur gelandet?

    Ach­ja, mein Kind wird gleich entwickelt…irgendwo hier…

  • Die Anästhesie 

    Tja und dann passierte…

    …nichts.

    Tick tack tick tack. 

    Hmm hm hmm. 

    A. muss­te nun drau­ßen warten. 

    Ich war allei­ne mit irgend­ei­nem Men­schen. Sei­ne Funk­ti­on war mir nicht bekannt. Es könn­te ein Chir­urg sein, ein Hel­fer. Die Anäs­the­sis­tin kann­te ich schon aus dem Auf­klä­rungs­ge­spräch. Eine sehr sym­pa­thi­sche jun­ge Frau, der ich alle mög­li­chen Beru­fe zuge­traut hät­te, aber nicht unbe­dingt die­sen. Sie mach­te Wit­ze und erzähl­te mir, dass sie selbst per Kai­ser­schnitt ent­bun­den hat­te. Wir einig­ten uns auf die Spi­nal­an­äs­the­sie (- was mir sehr wich­tig war, nach­dem ich mich natür­lich gründ­lich dar­über infor­miert hat­te ;P). So soll­te es sein.

    Aber sie war nicht da.

    Wir war­te­ten und war­te­ten. Eine gefühl­te Ewigkeit.

    Das wäre ja kein Pro­blem, wür­de ich bequem lie­gen. Aber ich lag NICHT bequem:

    Ich war in der 40. SSW und lag seit 20 Min auf dem Rücken, auf einer stein­har­ten, engen Tra­ge. Ich konn­te es nun kaum ERWAR­TEN, in den OP zu kom­men. (Viel­leicht war das ja die Absicht des War­ten­las­sens…who knows)

    A. muss­te schon durch­dre­hen da draußen!

    Ah ja. Da kam sie end­lich. Etwas hek­tisch. Aber sie hat­te ruhi­ge Hän­de (ich muss nicht erwäh­nen, wie WICH­TIG ist bei einer Spi­nal­an­äs­the­sie ist, ruhi­ge Hän­de zu haben…! ._.)

    Das ist auch so ein Punkt. 

    Das war der Moment, vor dem ich mit am meis­ten Angst hatte. 

    Wenn hier etwas schief ging — nicht aus­zu­ma­len! Die Wahr­schein­lich­keit ist ver­schwin­dend gering, aber sie ist da. Das Leben ist schon manch­mal ein Glücks­spiel. Auch hät­te es pas­sie­ren kön­nen, dass die Betäu­bung nur ein­sei­tig wirkt (auch das lei­der zu oft gele­sen!!). Das wür­de ich auch erst bei der OP erfahren. 

    (Trig­ger­war­nung:
    Und wie zahl­rei­che Berich­te von schwerst trau­ma­ti­sier­ten Frau­en zei­gen, inter­es­siert es wäh­rend der OP schein­bar NIE­MAN­DEN, ob man jeden Schnitt spürt oder nicht!!!)

    Ich hat­te mich gut infor­miert und wuss­te, dass es dar­auf ankam, dass ich sehr gut und genau die Anwei­sun­gen befolg­te. Ich war rela­tiv opti­mis­tisch, weil ich als yoga- und alex­an­­der­­tech­­nik-erpro­b­­te *räus­per* Gei­ge­rin *räus­per* Meis­te­rin der Ent­span­nung auf Kom­man­do bin *räus­per*. Gera­de eini­ge Wochen zuvor hat mir der Osteopath/​Orthopäde im Kran­ken­haus wie­der ein Kom­pli­ment gemacht: sel­ten kön­ne ein Pati­ent „so gut los­las­sen“ und mitgehen.

    Ich leug­ne nicht, dass ich über­rascht war, dass es hier tat­säch­lich eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung für mich war — mich ent­spannt run­ter­zu­beu­gen, mit dem dicken Bauch im Weg. 

    Und der nack­ten Angst vor der LAN­GEN DICKEN Nadel, die ich jeden Moment, wenn auch schmerz­frei, aber doch spü­ren würde. 

    Spin­nen, enge Trep­pen, die sich hoch oder run­ter schlän­geln, gro­ße Höhen, Libel­len, Heu­schre­cken, Häuf­chen zu vie­ler klei­ner oder gro­ßer Insek­ten — und NADELN, sind fes­te Bestand­tei­le mei­ner schlimms­ten Alp­träu­me. (Und Män­ner mit gro­ßen Mes­ser, die mich verfolgen…ich soll­te weni­ger Thril­ler schauen…) 

    Gott sei Dank wur­de die Stel­le vor­her betäubt. 

    Aber wenn man sehr emp­find­lich ist — wie ich — ist es auch ohne Schmer­zen eklig (brrrbäh­whhh) und unmög­lich, sich nicht in der­sel­ben Sekun­de, in der die Nadel den Kör­per berührt, anzu­span­nen *damn it*

    Aber nach dem 2. Anlauf war’s doch geschafft.

    (Wie viel Text man für die­se 1‑Mi­­nu­­te-Ange­­le­­gen­heit doch brau­chen kann ^^’)

  • Der Katheter 

    Vorhang auf

    Halt — war­um wer­de ich schon reingeschoben? 

    Muss das nicht erstmal..wirken?

    Oh nein! Was, wenn sie noch nicht wirkt?? Sie machen doch den Test vor­her — ich habe extra vor­her nach­ge­fragt, um auf Num­mer sicher zu gehen!
    (off­topic: Zu mei­nem Geburts­plan geht’s hier entlang.)

    Der Arzt kommt rein, gibt mir die Hand, die Heb­am­me — es geht also los *zit­ter*.

    A. kommt mit neu­er OP-Kluft samt Dusch­hau­be Müt­ze und Mund­schutz dazu. Ich wer­de in den ste­ri­len OP geschoben.

    Das ist es also, das grel­le Licht. 

    Ich mach­te mir nichts vor. Wenn etwas schief gehen soll­te, wäre dies das ver­hei­ßungs­vol­le „wei­ße Licht am Ende des Tunnels“.

    Aber ich hat­te ins­ge­samt ein gutes Gefühl. 

    Ich war voll Ver­trau­en und kon­zen­trier­te mich ab hier nur noch auf ein Bild: wie ich dich klei­nen Schatz im Arm hal­ten würde.

    Ach ja, eine Sache noch: der Kathe­ter fehl­te ja noch. 

    Die Heb­am­me hat­te mir ange­bo­ten es vor der Spi­nal­an­äs­the­sie zu machen, damit ich schon „bereit“ war. 

    Aber zum Glück hat­te ich gele­sen (;)), dass der Vor­teil bei einer sol­chen Anäs­the­sie und eines geplan­ten Kai­ser­schnitt es war, dass der Kathe­ter SPÄ­TER gelegt wer­den kön­ne — wenn man schon betäubt sei. Ein nicht unwich­ti­ges Detail, wie ich fin­de! Gera­de für Per­so­nen wie mich, die es eher durch­ste­hen wür­den, wenn ihnen der Arm abgeh* wird als naja, eben das, was gleich pas­sie­ren würde.

    Jeden­falls hät­te ich das bei­na­he ver­ges­sen, denn ihr Argu­ment klang so schlüs­sig: dann ist das auch schon „erle­digt“.

    Gut, dass ich mich nicht drauf ein­ge­las­sen hatte.

    Denn es war auch betäubt mit das ekligs­te, was ich je erlebt habe. Grrrrrrrr.

  • Das Hauptstück 

    Oh Gott — gleich geht’s los!

    Und dabei habe ich erst­mal nur die OP als rei­ne OP im Kopf: das Auf­ge­schnit­ten­wer­den, 8 (!) Per­so­nen, die um dich rumwuseln…

    Und dann gings schon los. 

    Ohne Plau­de­rei­en ohne irgend­was: der knap­pe Sekun­den­test, ob ich auch nichts spür­te. Naja, was heißt „nichts“: kei­ne Schmerzen. 

    Denn — wie ich auch bereits gele­sen hat­te, zum Glück (!!!) und wie mir die Anäs­the­sis­tin vor­her schon ver­sucht hat­te zu erklä­ren (damals ver­stand ich es noch nicht genau) — man spürt natür­lich ALLES außer den Schmerz.

    Ah! JETZT ver­ste­he ich GENAU, was Sie im Bespre­chungs­raum mein­ten!“, muss­te ich ein­fach los werden.

    Als gefühlt acht Arme in mei­nem Bauch wusel­ten, zogen, ris­sen und drückten.

    Sie drück­ten so hef­tig, dass ich die meis­te Zeit das Gefühl hat­te, sie haben sich zu viert alle­samt auf mich drauf gelegt, mit ihrem gan­zen Gewicht. Ich füh­le es noch heu­te, wenn ich dran denke. 

    ICH ERSTI­CKE. Hil­fe, ich krie­ge kei­ne Luft mehr! Sehr ihr das nicht???

    Ich kann nicht atmen?!

    Zum Glück saß eine Heb­am­me direkt neben mir und die Anäs­the­sis­tin war auch nicht weit — nur für den Fall. Aber sie waren sooo gechillt. O.O

    (Klar, sie machen das mehr­mals am Tag, mehr­mals die Woche, hun­dert Mal im Jahr. Und das zu wis­sen beru­hig­te mich sehr. Ich fühl­te mich sicher. Aber ich kann­te auch ande­re Geschich­ten. Ich wuss­te, ich muss auf mich selbst auf­pas­sen. Es kön­nen immer Din­ge pas­sie­ren, auf die nie­mand vor­be­rei­tet ist. Zum Bei­spiel, dass die Betäu­bung nicht rich­tig wirkt. Das war ja bei mir zum Glück nicht der Fall.)

    Wann sind sie denn end­lich fertig???

    Sind 10 Minu­ten nicht schon lan­ge um?

    Ich zähl­te die SEKUN­DEN, die mir end­los vorkamen. 

    Weil ich kaum atmen konn­te, wegen des Dru­ckes auf mei­nem Oberbauch!

    Ich hat­te sogar Angst von der Lie­ge zu fal­len, so hef­tig ruckel­te es.

    Muss das so sein? Soll­te ich etwas sagen? Oder ein­fach vertrauen?

    Die­se Fra­gen schluck­te ich runter.

    Ich ent­schied mich, zu vertrauen.

  • Das große Finale 

    Und da war er:

    DEIN ERS­TER SCHREI

    Der schöns­te Moment in mei­nem Leben.

    Ein Moment, auf den ich gefühlt mein gan­zes Leben lang gewar­tet hatte.

    Unbe­schreib­lich.

    Ich hat­te es mir genau­so ausgemalt.

    Ich hör­te das ers­te Mal dein süßes Stimm­chen und war sofort verliebt.

    Und dann hoben sie dich hoch, sodass ich dich sehen konnte!! 

    So win­zig und blau und:

    ER IST EIN EFI­MOV!!! (Das heißt, er hat­te mei­ne bzw. die Augen mei­nes Vaters.)

    Das waren mei­ne ers­ten Wor­te und ich wär am liebs­ten mit ihm im Arm los gerannt und hät­te ihn mei­nem, hof­fent­lich mitt­ler­wei­le auf mich war­ten­den, Vater in die Arme gedrückt (^^ sor­ry, A.).

    Doch ich hat­te die Ärz­te ange­wie­sen, die Nabel­schnur — so lan­ge es eben ging in die­ser unna­tür­li­chen Situa­ti­on — aus­pul­sie­ren zu lassen.

    (Und ich rech­ne es dem Kran­ken­haus sehr hoch an, dass die­sem Wunsch nach­ge­kom­men wurde.)

    Ich muss­te also waaaarten.

    Dann wur­de die … Unter­su­chung gemacht, er wur­de gewo­gen und etwas mit einem Hand­tuch gesäubert. 

    Und dann kam der gro­ße Moment:

    DU DURF­TEST ZU MIR.

    Sie leg­ten dich direkt neben mein Gesicht und ich hab geweint vor Dankbarkeit.

    Du bist per­fekt. Ich lie­be dich, für immer und ewig.“