Der Wen­de­punkt

Wohin ich gehe

Nach­dem wir jah­re­lang Gefan­ge­ne unse­rer unhin­ter­frag­ten, ener­gie- und zeit­fres­sen­den alten Denk- und Hand­lungs­mus­ter waren, sag­ten wir im letz­ten Jahr end­lich ein für alle Mal:

STOP.

Wir mach­ten eine Voll­brem­sung, dass der Staub nur so auf­wir­bel­te.

Und wir taten, was wir immer tun, wenn wir für ein Pro­blem eine Lösung suchen: wir recher­chier­ten. 8)

Glück­li­cher­wei­se viel uns prak­tisch sofort das Buch „Get­ting Things Done“ von David Allen (kurz GTD) in die Hän­de (Zufall? Vor­se­hung? Schick­sal?)

Wäh­rend ich das Buch gründ­lich studierte(mein Freund hat es an einem Tag über­flo­gen), igno­rier­te ich mutig die sich nun sta­peln­den Auf­ga­ben sowie den Drang des Kör­pers ab und zu auf­zu­ste­hen und sich die Glie­der zu lockern. Wenn ich lese, dann lese ist.

Die Moti­va­ti­on und Erleich­te­rung wuchs mit jeder Zei­le. Am liebs­ten wäre ich gleich auf­ge­sprun­gen und hät­te los­ge­legt — aber dar­um ging es ja gera­de. Kei­ne impuls­ar­ti­gen, undurch­dach­ten kurz­fris­ti­gen Ad-hoc-Lösun­gen, die für heu­te was taug­ten und die ich mor­gen schon anzwei­fel­te.

Nein. Geduld.

Was mich gleich über­zeugt, war die Ein­fach­heit des Ansat­zes. Die Klar­heit.

Die „Metho­de“ ist sim­pel und zugleich effek­tiv.

Und die­ser Satz fass­te alles zusam­men, was mich in den letz­ten Jah­ren blo­ckier­te und mir jeg­li­che Lebens­en­er­gie raub­te.

Wie ich Dinge geregelt kriege und mein Leben organisiere — beruflich & privat | MarGro

Es fand genau zur rich­ti­gen Zeit zu mir! Ich dürs­te­te nach Ver­än­de­rung, ich brauch­te einen neu­en Impuls. Denn schon beim blo­ßen Gedan­ke dar­an, alles wie­der wie bis­her zu machen, zogen sich mei­ne Ein­ge­wei­de zusam­men.

Es hät­te mir nichts gebracht, mich hin­zu­set­zen und wei­ter bunt gemi­sche To-Do-Lis­ten oder Jah­res­plä­ne zu ent­wer­fen. Ers­te­res hat schon die Jah­re davor nicht funk­tio­niert und letz­te­res wäre ohne einen geschei­ten Über­blick nicht mög­lich bzw. nicht sehr effek­tiv.

Auf Nimmerwiedersehen Notizzettel-Chaos | Leben organisieren mit der GTD-Methode | MarGro

David Allens Metho­de war daher für mich in vie­ler­lei Hin­sicht die Ret­tung. Denn hier geht es dar­um:

  • Den Kopf frei zu krie­gen.
  • Die »losen Enden« zu redu­zie­ren.
  • Auf­ga­ben mit weni­ger Anstren­gung und effi­zi­en­ter zu erle­di­gen.
Das Ziel ist es ein Sys­tem zu zu schaf­fen, das abso­lut zuver­läs­sig ist und dem man zu 100% ver­traut.

Das erreicht man in zwei Schrit­ten:

  1. ALLES, was einem an „anfal­len­dem Zeug“ ein­fällt, auf­schrei­ben (= lee­rer Kopf!).
  2. Die Auf­ga­ben in Form von zu erle­di­gen­den Hand­lungs­schrit­ten notie­ren (nicht „mit Lisa reden“, son­dern „mor­gen um 10 Uhr Lisa anru­fen“).

So erschafft man ein Sys­tem, in wel­chem jede Auf­ga­be Platz fin­det, ein Sys­tem mit Erin­ne­rungs­hil­fen für Vor­gän­ge, die noch nicht abge­schlos­sen sind und ein Sys­tem, dem man hun­dert­pro­zen­tig ver­traut und das gleich­zei­tig nicht selbst so kom­plex oder umfang­reich ist, dass man sich dafür extra Zeit­fens­ter frei­hal­ten muss.

Lis­ten, Lis­ten, Lis­ten

Jetzt durf­te ich end­lich los­le­gen (und mir krib­bel­ten schon lan­ge die Fin­ger).

Ich setz­te mich also hin und schrieb auf lose DIN A4 Blät­ter ALLES auf, was mir an To-Do’s und Erle­di­gun­gen in den Sinn kam. Von Kat­zen­fut­ter kau­fen, Bücher ver­kau­fen, recher­chie­ren über X, The­ma Y mit Mama bespre­chen, Stuhl repa­rie­ren und Fens­ter put­zen, über Steu­er­erklä­rung machen, Zahn­arzt­ter­min machen und Hoch­zeits­ge­schenk besor­gen, bis hin zu Busi­ness­plan ent­wer­fen, Visi­ten­kar­ten desi­gnen und Kata­lo­ge ver­schi­cken.

Erst­mal unsor­tiert, ohne nach­zu­den­ken und quer­beet.

 Listen, Listen, Listen | Leben organisieren mit der GTD-Methode | MarGro

Als nächs­tes kram­te ich einen alten DIN A5 Ord­ner, änder­te das Regis­ter der Metho­de ent­spre­chend ab und ord­ne­te die ein­zel­nen Punk­te. Wenn es sich um zu erle­di­gen­de Auf­ga­ben han­del­te, sor­tier­te ich sie in die pas­sen­den Lis­ten und Doku­men­te kamen in die pas­sen­den Ord­ner:

Innere Ruhe finden mit GTD und Life-Planner | © Margarita Gross

Mein ers­ter „Life-Plan­ner“

  1. Alle Ange­le­gen­hei­ten, die kei­ne zukünf­ti­gen Hand­lun­gen erfor­dern, habe ich direkt gestri­chen.
  2. Ange­le­gen­hei­ten, die kei­ne direk­te Hand­lung erfor­der­ten, aber noch rele­vant waren, kamen ent­we­der auf eine „Ideen“-Liste, auf die „Viel­leicht / Irgendwann“-Liste oder wur­den, wenn es sich um Noti­zen han­del­te, als Refe­renz- oder Hilfs­ma­te­ri­al ent­we­der the­men- oder bereichs­spe­zi­fisch abge­legt oder kamen in einen Ord­ner mit all­ge­mei­nen Ange­le­gen­hei­ten.
  3. Auf­ga­ben, die Han­deln erfor­der­ten, wur­den in die ent­spre­chen­den Lis­ten ein­ge­tra­gen, die nach Kon­text sor­tiert sind („Lisa anru­fen“ unter Anru­fe; „Ofen put­zen“ unter Zuhau­se; usw.).
  4. Alle grö­ße­ren Ange­le­gen­hei­ten habe ich auf spe­zi­el­le Pro­jekt­lis­ten ver­teilt,
  5. ter­min­be­zo­ge­ne Ange­le­gen­hei­ten kamen gleich in den Ter­min­ka­len­der (revo­lu­tio­när!)
  6. und län­ger­fris­ti­ge Auf­ga­ben, die meh­re­re Hand­lungs­schrit­te erfor­der­ten, kamen auf die „War­ten auf“-Liste.

Ein paar Mona­te spä­ter split­te­te ich die Lis­ten in Pri­va­tes und Beruf­li­ches auf, um noch mehr Über­sicht zu erhal­ten.

Wäh­rend ich nun im pri­va­ten Ord­ner alle Auf­ga­ben unsor­tiert unter­ein­an­der schrei­be, ver­wen­de ich im beruf­li­chen Ord­ner neben den Ober­ka­te­go­ri­en „Musik­ver­lag“, „Online-Kur­se“ und „Kla­vier­un­ter­richt“, Unter­ka­te­go­ri­en wie „Web­site“, „Design“, „Blog“, „Noten“, „Kur­se“, „Tuto­ri­als“, „Anfän­ger“ und „Ide­en“ sowie Unter-Pro­jek­te wie „Mar­ke­ting“ und „Soci­al Media Mar­ke­ting“.

Tages-, Wochen- und Monats­zie­le

Nach­dem ich alles, was mir im Kopf her­um­schwirr­te, in Lis­ten unter­ge­bracht hat­te, fiel mir schon ein zent­ner­schwe­rer Stein vom Her­zen bzw. der Brust.

Aller­dings hielt es nicht all­zu lan­ge an – nun waren die Auf­ga­ben zwar nicht mehr in mei­nem Kopf, aber immer noch nicht erle­digt und ich wuss­te auch nicht, wo ich anfan­gen soll­te.

Es fehl­te immer noch ein Sys­tem, das mir half, Prio­ri­tä­ten zu set­zen und die Din­ge auf lan­ge Sicht zu erle­di­gen.

Ich muss­te die anfal­len­den Auf­ga­ben irgend­wie auf die Tage, Wochen und Mona­te ver­tei­len.

Nach­dem ich aber schon zu Schul­zei­ten kei­nen Erfolg damit hat­te, ein­fach alles in einen Kalen­der zu schrei­ben – haupt­säch­lich, weil dabei nichts ande­res her­aus­kam als end­lo­se Lis­ten, die zum Teil nicht auf eine Sei­te pass­ten und wo außer­dem alles wahl­los neben­ein­an­der stand, habe ich mich für ein „Bul­let Jour­nal“ ent­schie­den.

Natür­lich muss man nicht alle Auf­ga­ben, die man auf­ge­schrie­ben hat sofort einem Datum zuwei­sen – da bräuch­te man ja Kalen­der für die fol­gen­den drei Jah­re. Zudem erfor­dern nicht alle Auf­ga­ben direk­tes Han­deln.

Zunächst ein­mal geht es nur dar­um, die wich­tigs­ten und dring­lichs­ten Auf­ga­ben unter­zu­brin­gen.

Das Bul­let-Jour­nal

Innere Ruhe finden mit dem Bullet Journal | © Margarita Gross

Ich habe zwar sofort als ich von die­ser Metho­de hör­te gedacht, dass sie wie für mich gemacht ist, wäre aber auch nicht über­rascht gewe­sen, hät­te es doch nicht funk­tio­niert.

Doch in Ergän­zung zu den Lis­ten ist das Bul­let Jour­nal für mich ein­fach opti­mal. Die Punk­te, die aus mei­ner per­sön­li­chen Sicht für das Bul­let Jour­nal spre­chen, sind:

  1. Es ist super sim­pel anzu­wen­den.
  2. Es ist fle­xi­bel und lässt sich genau an mei­ne spe­zi­fi­schen Bedürf­nis­se anpas­sen.
  3. Es ist die prak­tischs­te Art sein Leben zu orga­ni­sie­ren und neue Gewohn­hei­ten zu eta­blie­ren.

Das Bul­let Jour­nal ist zugleich:

  • Ter­min­ka­len­der
  • Tages­plan
  • Jah­res­über­sicht
  • Wochen­über­sicht
  • Monats­über­sicht
  • Gewohn­hei­ten-Tra­cker
  • Stun­den­plan
  • To-Do-Lis­te
  • Arbeits-/Kurs­plan
  • Notiz­buch
  • Tage­buch
  • usw.

Und alles, was man braucht sind:

  • Ein Stift.
  • Ein Notiz­buch.

Gera­de weil es eine eier­le­gen­de Woll­milch­sau ist, könn­te man mei­nen, dass es zu viel Ver­wir­rung führt und es daher umständ­lich und anstren­gend ist damit zu arbei­ten. Jedoch ist das Gegen­teil der Fall. Dadurch, dass man so vie­les gleich­zei­tig dar­in unter­brin­gen kann, ist es unheim­lich fle­xi­bel und kann bis ins kleins­te Detail den eige­nen Bedürf­nis­sen ange­passt wer­den. Es eig­net sich daher sehr gut für alle,

  • die sehr krea­tiv sind,
  • die sich stän­dig ver­bes­sern wol­len
  • und die ein bewuss­tes Leben füh­ren wol­len.

Ein wei­te­rer Vor­teil ist, dass es nicht digi­tal ist. Das wird die­ser Metho­de inter­es­san­ter­wei­se oft als Nach­teil aus­ge­legt – es sei gera­de nicht sehr effi­zi­ent, weil man ja täg­lich uner­le­dig­te Auf­ga­ben per Hand trans­fe­rie­ren müs­se, was wert­vol­le Zeit kos­te.

Ich muss sagen, dass ich das Abschrei­ben der uner­le­dig­ten Auf­ga­ben im Gegen­teil als Vor­teil emp­fin­de, da bei digi­ta­len To-Do-Lis­ten gera­de das schnel­le und ein­fa­che, das Ver­schie­ben von Uner­le­dig­tem auf den nächs­ten Tag, bei mir dazu führ­te, dass ich oft sinn­lo­sen Bal­last über Mona­te hin­weg mit­schlepp­te – müss­te ich es jeden Tag abschrei­ben, hät­te ich sol­che Auf­ga­ben längst ver­wor­fen.

Dar­über hin­aus hat das Schrei­ben auf Papier etwas Medi­ta­ti­ves. Weil das Schrei­ben mit der Hand lang­sam ist, kann ich wäh­rend des Abschrei­bens reflek­tie­ren, die Ange­le­gen­hei­ten über­den­ken und es gibt Raum für neue Ide­en. So schrei­be ich nicht ein­fach Punkt für Punkt ab – wie es bei digi­ta­len To-Do-Lis­ten der Fall war – ich wäge unter­wegs ab und tref­fe bewusst die Ent­schei­dung die­se Auf­ga­be auf­grund ihrer Wich­tig­keit zu ver­schie­ben.

Ich nut­ze das Bul­let Jour­nal haupt­säch­lich für drei Din­ge:

  1. Täg­li­che To-Do-Lis­te
  2. Habit-Tracking
  3. Wie­der­keh­ren­de Haus­halts­pflich­ten

Innere Ruhe finden mit dem Bullet Journal | © Margarita Gross

Täg­li­che To-Do-Lis­ten

Ich begin­ne meist mit den nicht ver­han­del­ba­ren Auf­ga­ben des Tages (»eat the frog«), beson­ders wich­ti­ge Auf­ga­ben bekom­men ein Stern­chen neben das Käst­chen, Ter­mi­ne erken­ne ich an einem Drei­eck statt eines Käst­chens zum Abha­ken und Noti­zen sind mit einem ein­fa­chen (Bullet-)Punkt gekenn­zeich­net, wobei ich sie oft auch mit­tels eines anders far­bi­gen Stif­tes abgren­ze.

Innere Ruhe finden mit dem Bullet Journal – To-Do-Listen | © Margarita Gross

Habit-Tra­cker

Da ich das alles nur prak­ti­zie­re, um so viel Zeit wie mög­lich frei­zu­schau­feln, für die wirk­lich wich­ti­gen Din­ge und für schö­ne Momen­te, soll­te eine umfas­sen­de Lebens­or­ga­ni­sa­ti­on natür­lich Din­ge umfas­sen wie

  • Phy­si­sche Gesund­heit
  • Psy­chi­sche Gesund­heit
  • Fer­tig­kei­ten

All die­se Punk­te zogen bei mir tag­täg­lich den Kür­ze­ren zuguns­ten der Arbeit oder ver­meint­lich wich­ti­ge­rer Ange­le­gen­hei­ten. Dar­um emp­fin­de ich es als äußerst sinn­voll sie bei der Orga­ni­sa­ti­on des Tages mit ein­zu­pla­nen.

Schließ­lich gibt es nichts Wich­ti­ge­res im Leben als Gesund­heit (sowohl phy­si­sche wie psy­chi­sche) und Mobi­li­tät. Lei­der wird auch mir die Trag­wei­te die­ser Erkennt­nis nur peri­odisch bewusst — oft mit einem Knall — wenn es mich mal ganz übel erwischt oder ich mich ver­let­ze.

Ist man krank, dann steht das Leben still,
alles ande­re ver­liert sei­ne Bedeu­tung.

Aber nicht nur wenn wir krank sind, sind wir ein­ge­schränkt in unse­rem Tun. Wenn ich mal wie­der eini­ge Tage fast aus­nahms­los am PC ver­bracht habe, dann weiß ich, dass ich das Kla­vier­spie­len ver­ges­sen kann, vom Gei­ge­spie­len ganz zu schwei­gen.

Unser Kör­per spie­gelt unse­re Lebens­wei­se wider.

Auch das woll­te ich unbe­dingt ändern, ver­fü­ge ich doch über weit­rei­chen­de Kennt­nis­se über die Fol­gen einer dau­er­haft schlech­ten Kör­per­hal­tung sowie die Fol­gen von stun­den­lan­gem ein­sei­ti­gen Kör­per­ge­brauch (z.B. den gan­zen Tag nur *klick* *klick* *klick* mit der rech­ten Hand, dazu ein ein­ge­sun­ke­ner Brust­korb, einen total ver­spann­ten Nacken, über­schla­ge­ne Bei­ne (ich beken­ne mich schul­dig >_)), nach hin­ten ein­ge­knick­ter Kopf, die Augen gera­de­aus auf den Bild­schirm star­rend…)

Die Fol­gen zu lan­gen Sit­zens, zu schwe­rer Schul­ta­schen und zu wenig Bewe­gung sieht man heut­zu­ta­ge ja schon bei Grund­schul­kin­dern: eine furcht­ba­re Kör­per­hal­tung, nicht nur ästhe­tisch, son­dern auch gesund­heit­lich bedenk­lich (Kopf- und Rücken­schmer­zen, fal­scher, unzweck­mä­ßi­ger Kör­per­ge­brauch auf­grund des ver­lo­ren gegan­ge­nen Kör­per­be­wusst­seins); schlech­te Fein- und Grob­mo­to­rik sowie die sen­so­mo­to­ri­schen Fähig­kei­ten.

Doch selbst wenn man bereits über eine über­durch­schnitt­lich gute Fein­mo­to­rik und sen­so­mo­to­ri­sche Fähig­kei­ten ver­fügt wie es bei Musi­kern der Fall ist, beein­flusst zu lan­ges Sit­zen oder das Aus­füh­ren von mono­to­nen Bewe­gun­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg die Bewe­gun­gen und Prä­zi­si­on beim Spie­len. Die Mus­keln wer­den über­an­sprucht oder ein­fach nur fest, der all­ge­mei­ne Mus­kel­to­nus steigt – als Musi­ker ist man damit in sei­nem Aus­druck und sei­nen Spiel­fer­tig­kei­ten stark ein­ge­schränkt.

Yoga

Um mei­ne sit­zen­de Tätig­keit zu kom­pen­sie­ren, habe ich es mir wäh­rend des Stu­di­ums zur Gewohn­heit gemacht, täg­lich Yoga zu machen und mich eini­ge Minu­ten hin­zu­le­gen und zu erden. Aus „täg­lich“ wur­de irgend­wann zwei bis drei Mal die Woche und zum Hin­le­gen kam ich noch sel­te­ner.

Die Kon­se­quen­zen mer­ke ich jedes Mal, wenn ich mich ans Kla­vier set­ze — auch die posi­ti­ven, wenn ich mal ein paar Tage PC-Pau­se mache: es ist unbe­schreib­lich! Das Spiel­ge­fühl ist abso­lut frei und mühe­los, selbst wenn ich nur unre­gel­mä­ßig geübt habe.

Man kann tat­säch­lich weni­ger Üben kom­pen­sie­ren, indem man sei­nen Kör­per geschmei­dig hält.

Umge­kehrt kann man noch so viel üben — ist man steif und fest, wird das Ergeb­nis von Tag zu Tag schlech­ter!

Medi­ta­ti­on

Genau­so wich­tig wie die phy­si­sche Gesund­heit ist die psy­chi­sche und men­ta­le. Bei mir ist es immer der­sel­be Kreis­lauf: je län­ger ich nicht medi­tie­re, umso depres­si­ver wer­de ich. Ich ver­lie­re mich völ­lig in der Arbeit, ver­ges­se buch­stäb­lich zu atmen und zu trin­ken, habe nur das Ziel vor Augen — bis ich irgend­wann so am Boden bin, dass ich ein­fach alles hin­wer­fe und erst­mal ein paar Tage zu mir kom­men muss.

War­um es soweit kom­men las­sen?

Weil es so schwer ist, „über­flüs­si­ge“ Gewohn­hei­ten zu erken­nen und ihnen den Gar­aus zu machen. Hin­zu kom­men Trug­schlüs­se wie „Heu­te geht es mir doch gut…heute muss ich nicht unbe­dingt medi­tie­ren.

Es geht recht schnell, sich gute Din­ge abzu­ge­wöh­nen und wir wis­sen alle wie schwer es ist, sich för­der­li­che Din­ge wie­der anzu­ge­wöh­nen. Egal wie sehr unser Ver­stand uns dar­an erin­nert, wie sinn­voll, toll oder höchs­te Eisen­bahn es ist, mit dem Kurs X anzu­fan­gen und es regel­mä­ßig durch­zu­zie­hen: der inne­re Schwei­ne­hund hat schon nach der ers­ten Pau­se die Zügel fest in der Hand.

Ein wei­te­rer Trug­schluss ist, dass man die Zeit „ein­spart“, wenn man es aus­fal­len lässt, um etwas ver­meint­lich Wich­ti­ge­res zu erle­di­gen. In den meis­ten Fäl­len habe ich die Zeit mit Unnö­ti­gen Din­gen wie „noch­mal schnell die E-Mails che­cken… oh, was ist das denn…“ ver­geu­det.

Innere Ruhe finden mit Meditation | © Margarita Gross

Wenn der Kopf nicht frei ist, wenn sich dau­ernd zunächst unbe­wusst irgend­wel­che Gedan­ken rein­schlei­chen — vor allem beim Musi­zie­ren — dann stört das nicht nur mas­siv die Pro­duk­ti­vi­tät, es rui­niert die gesam­te Arbeit.

Ich mer­ke mir z.B. beim Üben weni­ger, bin gestresst und ange­spannt — und all das wird beim Lern­vor­gang mit abge­spei­chert, sodass der Kör­per sich beim nächs­ten Mal schon beim Gedan­ken ans Arbeiten/​Üben anspannt und ich ent­spre­chend kei­ne Lust“ habe über­haupt anzu­fan­gen.

Medi­tia­ti­on ist das bes­te „Mit­tel“, um pro­duk­ti­ver und effi­zi­en­ter arbei­ten zu kön­nen.

Genau­so wie sich Zeit zu neh­men für bewuss­te Muße­stun­den.

Nur in die­sen „Leer­pha­sen“ kann man mit sich selbst in Kon­takt tre­ten, sich mit sei­nen Wün­schen, Ängs­ten, Glau­bens­sät­zen, Über­zeu­gun­gen und Zie­len aus­ein­an­der­set­zen, sie hin­ter­fra­gen und sich selbst bes­ser ken­nen­ler­nen.

Sich selbst und sei­ne Reak­ti­ons­mus­ter zu ken­nen, ermög­licht einem geziel­ter sein Den­ken und Ver­hal­ten zu modi­fi­zie­ren. Man muss nicht auf’s Gera­te­wohl irgend­wel­che neu­en Trends aus­pro­bie­ren, nur um fest­zu­stel­len, dass es über­haupt nichts bringt. Man weiß ganz genau an wel­cher Schrau­be man dre­hen muss, um die gewünsch­te Ände­rung vor­zu­neh­men.

Auch das ist sehr ent­las­tend, fin­de ich. So vie­le Bei­trä­ge kann man dann links lie­gen las­sen anstatt das Gefühl zu haben, dass man zu unge­bil­det ist und zu vie­les nicht weiß und wie der letz­te Hin­ter­wäld­ler dau­ernd sich selbst sabo­tiert.

Nein.

Es gibt vie­le Lösun­gen, aber nicht jede ist dei­ne Lösung, für dein „Pro­blem“.
Solan­ge du dich selbst nicht kennst, kannst du nicht gezielt an dei­nen Pro­ble­men arbei­ten.

Nabel­schau ist also wich­tig, um sich immer wie­der neu aus­zu­rich­ten und nicht nach 5 Jah­ren zu mer­ken, dass man womög­lich zwar sein Ziel erreicht hat, aber eigent­lich ger­ne wo anders wäre — dass es einem nichts mehr bedeu­tet.

Außer­dem arbei­tet es sich auch viel schwe­rer, wenn man nicht genau weiß, war­um man gera­de tut, was man tut. Man lässt sich leich­ter ablen­ken und selbst kleins­te Stein­chen auf dem Weg kom­men einem unüber­wind­bar vor (Wink mit dem Zaun­pfahl?)

Gewohn­hei­ten kul­ti­vie­ren

Bes­ser ist es dar­um dau­er­haft vor­zu­beu­gen und gute Gewohn­hei­ten zu kul­ti­vie­ren, will man ein lan­ges, unab­hän­gi­ges, fle­xi­bles und zufrie­de­nes Leben füh­ren. Dazu gehö­ren auch Medi­ta­ti­on und bewuss­te Ruhe­pha­sen.

Die­se kann man genau­so wenig mit einer Akti­on oder einer Akti­on pro Woche oder einer Akti­on pro Monat abha­ken wie gesun­de Ernäh­rung oder Fit­ness.

Gewohn­hei­ten müs­sen in den eige­nen Lebens­stil inte­griert sein, Teil der täg­li­chen Ritua­le wer­den.

Dabei kann das Bul­let Jour­nal, wenn du der Typ dafür bist, eine gro­ße Hil­fe sein.

(Falls nicht, habe ich hier fol­gen­de, digi­ta­le Alter­na­ti­ven.)

Innere Ruhe finden mit dem Bullet Journal – Tracker | © Margarita Gross

Wei­te­re Tra­cker

Putz-Plan

Neben der Pfle­ge von Gewohn­hei­ten und der Eta­blie­rung neu­er Ritua­le kön­nen Tra­cker gera­de uns Frau­en (und natür­lich auch allen Män­nern) hel­fen, die es ger­ne sau­ber und ordent­lich zu Hau­se haben. Also für Leu­te wie mich. Ich kann Unord­nung nicht lan­ge tole­rie­ren, es macht mich kir­re, wenn ich sehe, dass sich irgend­wo Sta­pel bil­den oder beob­ach­ten muss, wie die Fens­ter immer undurch­sich­ti­ger wer­den.

Und das ewi­ge War­ten auf den Früh­jahrs­putz, nur um mich end­lich wie­der frei zu füh­len, ist auch nicht so mein Ding. Dar­um gefällt mir die Idee, jeden Tag bzw. jede Woche bzw. jeden Mona­te das Nöti­ge zu unter­neh­men, damit es immer sau­ber bleibt und sich nichts anhäuft.

Da mir aber das Abzeich­nen und Auf­schrei­ben von sich wie­der­ho­len­den Haus­halts-Auf­ga­ben zu lan­ge dau­ert, habe ich mir mit Ink­scape Vor­la­gen erstellt, die ich monat­lich in mein Bul­let Jour­nal kle­be.

Innere Ruhe finden mit dem Bullet_Journal – Haushaltsplan | © Margarita Gross

Wei­te­re Din­ge, die man tra­cken kann:
  • Trai­ning
  • Trink­ver­hal­ten
  • Gele­se­ne Bücher; geschau­te Filme/​Serien, etc.
  • Peri­ode
  • Medi­ka­men­ten-/Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel-Ein­nah­me
  • Aus­ga­ben
  • Schlaf
  • Ver­brach­te Zeit mit Freun­den
  • usw.

Der Ter­min­ka­len­der

Den Ter­min­ka­len­der nut­ze ich nur für:

  1. Ter­mi­ne
  2. Dead­lines
  3. Zeit­räu­ber“

Obwohl das Bul­let Jour­nal durch­aus auch als Kalen­der die­nen kann, bevor­zu­ge ich es mei­ne Ter­mi­ne und wich­ti­gen Dead­lines in einen Ter­min­ka­len­der ein­zu­tra­gen. Dafür steht dar­in aber sonst nichts mehr — kei­ne To-Do-Lis­ten oder Noti­zen, nichts, was von den wich­ti­gen Din­gen ablen­ken könn­te.

Eine wei­te­re Funk­ti­on erfüllt er aber trotz­dem für mich: er fin­det Zeit­räu­ber. Dazu tra­ge ich wäh­rend des Tages ein, meist nach Been­di­gung einer Auf­ga­be, was ich wie lan­ge gemacht habe.

Innere Ruhe finden mit Bullet Journal und Terminplaner | © Margarita Gross

One­Note

Es ist das eine die Haus­ar­beit oder täg­li­che Erle­di­gun­gen und zu orga­ni­sie­ren und in den täg­li­chen Zeit­plan zu inte­grie­ren. Die Auf­ga­ben sind rasch ein­zel­nen Tagen oder Zei­ten zuge­ord­net und kön­nen ohne einen wei­te­ren Gedan­ken dar­an zu ver­schwen­den abge­ar­bei­tet und abge­hakt wer­den.

Hat man es aber mit grö­ße­ren, län­ger­fris­ti­gen Pro­jek­ten und Unter-Pro­jek­ten und Unter-Unter-Pro­jek­ten zu tun, ist es etwas kom­pli­zier­ter. Ein guter Über­blick ist unab­ding­bar, man muss alle Fäden in der Hand hal­ten und sie jeder­zeit nach­ver­fol­gen kön­nen. Man muss auch nach­ver­fol­gen kön­nen, wie weit ein Pro­jekt fort­ge­schrit­ten ist und was jeweils als nächs­tes zu tun ist. Es muss klar sein, wer zu wel­cher Zeit, wann und wie lan­ge an einer Auf­ga­be arbei­tet. Es wird umso kom­ple­xer, je mehr Leu­te an dem Pro­jekt betei­ligt sind.

Zum Glück sind wir nur zu zweit, wes­halb wir lan­ge Zeit auch so ganz gut zurecht kamen…naja, bis auf die Tat­sa­che, dass wir etwas län­ger brauch­ten, um auf­zu­drö­seln was von den hun­dert Auf­ga­ben die höchs­te Prio­ri­tät hat, was am Dring­lichs­ten ist usw. Wir haben One­Note benutzt, einen syn­chro­ni­sier­ten Ord­ner, in dem wir alle To-Dos nach Auf­ga­ben­ge­biet sor­tiert hat­ten.

Zum Bei­spiel war der Ord­ner „Tuto­ri­als“ unter­teilt in „als nächs­tes bear­bei­ten“, „als nächs­tes auf­neh­men“, „als nächs­tes schnei­den“, „als nächs­tes hoch­la­den“, usw. Es waren aber nicht nur „To-Do-Lis­ten“ in dem Ord­ner, son­dern auch Inspi­ra­tio­nen, Text­aus­schnit­te, Noti­zen, Ide­en, usw. Für mich war das irgend­wann zu viel.

Es nerv­te mich, dass Auf­ga­ben erle­digt, aber nicht ent­fernt wur­den. Es war ein To-Do-Lis­ten-Fried­hof und ich moch­te schon mor­gens den Gedan­ken an die­sen Ord­ner nicht. Man ver­sank dar­in und kam nur gestresst wie­der raus.

Immer wie­der wur­de ich zum Ord­nen und Umsor­tie­ren ver­lei­tet, um dem „Cha­os“ irgend­wie Herr zu wer­den. Ja, es war geord­net und ora­ni­siert – und trotz­dem chao­tisch.

Zum Glück stieß ich aber durch Zufall auf den Arti­kel, in dem ein ande­res Pro­gramm vor­ge­stellt wur­de (dazu geich). Ich habe sofort ange­fan­gen, alle „To-Dos“ zu über­tra­gen. One­Note nut­ze ich jetzt nur noch:

  1. zur Ide­en-Fin­dung
  2. um mich in ein neu­es The­ma ein­zu­ar­bei­ten,
  3. für Buch­zu­sam­men­fas­sun­gen (zum Teil nach Kapi­teln)
  4. für Anlei­tun­gen (z.B. Haut­re­tu­sche Schritt für Schritt)
  5. und für Code-Schnip­sel oder Infos, die ich immer wie­der brau­che.

Das neue Online-Tool stel­le ich auf der nächs­ten Sei­te vor.