Hil­fe, ich glau­be, mein Kopf explo­diert!

Kennst du die­sen Moment, wenn dir plötz­lich die Decke auf den Kopf fällt? Wenn alles ein­fach zu viel wird und man ein­fach nur alles zurück­las­sen und weg­lau­fen möch­te?

Ich glau­be, das Jahr 2015 war ein Jahr, in dem es beson­ders vie­len so erging. Zumin­dest las­sen zum The­ma „wie ord­ne und orga­ni­sie­re ich mein Leben“ explo­die­ren­den Blog­posts und You­Tube-Vide­os im ver­gan­ge­nen Jahr dar­auf schlie­ßen. Im glei­chen Zug wur­de auch der „Mini­ma­lis­mus“ als Lebens­stil und Phi­lo­so­phie sehr popu­lär.

In die­sem Bei­trag möch­te ich mit dir tei­len, wel­che Schrit­te ich unter­nom­men habe, um wie­der zu mir selbst zu fin­den und mein Leben wie­der über­bli­cken zu kön­nen.

Pro­blem­ana­ly­se

Ich habe eine sehr hohe Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz, kann also Misstän­de sehr lan­ge tole­rie­ren — sei­en es äuße­re Umstän­de oder inne­res Unwohl­sein. Das gilt in unse­rer Gesell­schaft als löb­lich, ins­be­son­de­re aus Arbeit­ge­ber­sicht, doch die Kehr­sei­te die­ser Medail­le ist, dass dar­in schon der Samen für Bur­nout und/​oder Depres­sio­nen mun­ter gedeiht und bei den einen frü­her, bei ande­ren spä­ter zu einem lei­sen oder auch sehr lau­ten Zusam­men­bruch führt.

Das geschieht zwangs­läu­fig und ich als Arbeit­ge­ber wür­de da hell­hö­rig wer­den, sofern ich beab­sich­ti­ge lang­fris­tig pro­duk­ti­ve Mit­ar­bei­ter zu beschäf­ti­gen und zwar aus dem fol­gen­den Grund: Men­schen, die ihre eige­nen psy­chi­schen, men­ta­len und phy­si­schen Gren­zen lan­ge Zeit igno­rie­ren,

  • bren­nen frü­her aus,
  • sind unzu­frie­den und kön­nen dar­um nicht ihr Bes­tes geben.
  • sind unmo­ti­viert und nicht so pro­duk­tiv wie sie sein könn­ten.

Man kann nicht wochen-, mona­te- und mit­un­ter jah­re­lang gegen die Natur arbei­ten und die hat nun ein­mal Ruhe­pau­sen vor­ge­se­hen, um die Akkus wie­der auf­zu­la­den. Bleibt das aus, arbei­tet und lebt man auf Spar­flam­me, ist dabei trotz­dem inner­lich unru­hig, gehetzt und gestresst und irgend­wann gibt es einen Kurz­schluss — und plötz­lich geht gar nichts mehr.

Für ein ernst­haf­tes Unter­neh­men, das Wert auf ein gutes Arbeits­kli­ma und pro­duk­ti­ve Mit­ar­bei­ter legt, ist das nicht wün­schens­wert.

Für uns sel­ber sowie­so nicht. Wer dau­ernd aus­ge­powert ist, ist zwangs­läu­fig im Hams­ter­rad gefan­gen — für mehr reicht die Ener­gie ein­fach nicht.

Dar­un­ter lei­den nicht nur wir sel­ber, son­dern ins­be­son­de­re die Men­schen, die uns wich­tig sind: Fami­lie und Freun­de. Wir haben ein­fach kei­ne Kraft ihnen die Zeit und Auf­merk­sam­keit zu wid­men, die ihnen gebührt.

Viel ist in den letz­ten Jah­ren von „Work-Life-Balan­ce“ die Rede — wir neh­men es zur Kennt­nis und set­zen uns noch mehr unter Druck.

Die Sache ist, dass die all­seits pro­pa­gier­te Balan­ce mit unse­rem Wirt­schafts­sys­tem und unse­ren gesell­schaft­li­chen Wer­ten nicht ver­ein­bar ist. Wir haben einen sehr engen Spiel­raum für Aus­gleich zu sor­gen und müs­sen daher ganz gezielt unse­re klei­nen Frei­räu­me suchen, um bei dem all­täg­li­chen Tru­bel nicht dau­ernd den Kopf zu ver­lie­ren.

Zum Glück habe ich unter ande­rem mit­hil­fe mei­nes Freun­des gelernt, auf mei­nen Kör­per zu hören und mir Zeit für mich und für Erho­lung zuzu­ge­ste­hen. Wäh­rend ich frü­her mei­ne Bedürf­nis­se kom­plett igno­riert habe, lei­he ich ihnen heu­te mein Ohr. Auf­grund der besag­ten hohen Tole­ranz­schwel­le kann es den­noch etwas dau­ern, bis ich STOP sage.

Wenn alles zu viel wird, zie­he die Not­brem­se — sage STOP. Klick um zu Twee­ten

Ich mache das meist an einem Wochen­en­de, sodass ich wirk­lich ein­mal kom­plett los­las­sen kann und nicht doch noch zu einem Ter­min oder ein­kau­fen muss.

Schritt 1: Lis­ten, Lis­ten, Lis­ten

Dann neh­me ich mir ein paar lee­re Blät­ter und schrei­be alles auf, was mir in den Sinn kommt (nach der Liqui­da­tor-Metho­de).

Schritt 2: Orga­ni­sie­ren

Wenn das erle­digt ist,

  1. Strei­che ich alles durch, was kei­ne zukünf­ti­gen Hand­lun­gen erfor­dert;
  2. Neh­me ich mir mei­nen Life Plan­ner und schrei­be nach Kon­text sor­tiert alle Din­ge auf, die noch zu erle­di­gen sind (nach der GTD-Metho­de);
  3. Schrei­be alle Ter­mi­ne und Dead­lines in mei­nen Kalen­der;
  4. Und ver­tei­le alle Ange­le­gen­hei­ten, die kein Han­deln erfor­dern, aber trotz­dem wich­tig sind, auf die Ideen“-Liste und die „Vielleicht/Irgendwann“-Liste.

Schritt 3: Pla­nen

Vom Gro­ßen zum Klei­nen

Wenn auch das erle­digt ist, ist der Kopf zwar schon viel frei­er, aber man weiß immer noch nicht, wie man die gan­zen losen Enden sys­te­ma­tisch redu­zie­ren kann, damit sie lang­sam ver­schwin­den und es sich nicht dau­ernd so anfühlt, als wür­de einem die Decke auf den Kopf fal­len — eine schwe­re Decke aus tau­send inein­an­der ver­wo­be­nen Ver­ant­wort­lich­kei­ten, uner­le­dig­ten Auf­ga­ben, Pflich­ten und Zwän­gen.

Als nächs­tes muss ich also alle zu erle­di­gen­den Ange­le­gen­hei­ten in To-Do-Lis­ten umwan­deln.

Ich emp­feh­le jedoch aus­drück­lich den Kalen­der nur für fes­te Ter­mi­ne und Dead­lines zu benut­zen. Das kann auch eine Tages­auf­ga­be sein, die man in einem bestimm­ten Zeit­fens­ter erle­di­gen will — er soll­te aber nicht für To-Do-Lis­ten „miss­braucht“ wer­den!

To-Do-Lis­te

Kurz­fris­ti­ge und lang­fris­ti­ge

Wich­tig ist, sich klar zu machen, dass es Din­ge gibt, die man bald erle­di­gen will oder muss und Din­ge, die man lang­fris­tig plant.

Bei­spiels­wei­se muss ich den Ersatz­rei­fen mor­gen wech­seln, das Auto muss aber erst in eini­gen Mona­ten zum TÜV. Oder ich will mor­gen einen Blog-Bei­trag zum The­ma X schrei­ben, die­ser Bei­trag ist aber Teil einer Serie oder Con­tent-Stra­te­gie, die ich ent­spre­chend vor­aus­pla­nen muss.

Ich ver­wen­de für alle lang­fris­ti­gen Ange­le­gen­hei­ten Trel­lo und für mei­ne täg­li­chen To-Do-Lis­ten ein Bul­let Jour­nal.

Trel­lo

Sor­tie­ren, Pla­nen, Orga­ni­sie­ren

Wenn mir also beim Lis­ten schrei­ben eini­ge The­men in den Sinn kamen, die ich unbe­dingt in mei­nem Blog behan­deln will, die aber nichts in mei­nem Kalen­der ver­lo­ren haben — weil ich ja noch gar kei­nen Plan gemacht habe für die kom­men­den Tage und Wochen — dann schrei­be ich es auf die ent­spre­chen­de Ide­en-Lis­te in mei­nem Life Jour­nal. (Hier ist es sinn­voll unter dem Rei­ter „Ide­en“ Unter-Rei­ter zu erstel­len, z.B. „DIY-Ide­en“, „Som­mer­ak­ti­vi­tä­ten“, usw.).

Wenn mir zum Bei­spiel vie­le Ide­en zu mei­nem Blog oder einem DIY-Pro­jekt oder einer Geburts­tags­par­ty usw. gekom­men sind, dann mache ich Trel­lo auf und schrei­be auf das Blog-Ide­en-Board bzw. das DIY-Board bzw. das Geburts­tags­par­ty für X-Board die Ide­en nach Kate­go­ri­en sor­tiert auf.

Auf das­sel­be Board kom­men auch alle ande­ren wich­ti­gen Punk­te, die mit der Sache zusam­men­hän­gen.

Zum Bei­spiel

  1. die Gäs­te­lis­te,
  2. die Lie­fe­ran­ten,
  3. usw.

bei der Geburts­tags­par­ty;

  1. Inspi­ra­ti­ons-Bil­der,
  2. Vor­la­gen
  3. usw.

beim DIY-Pro­jekt und Soci­al Media Akti­vi­tä­ten und die Web­site betref­fen­de Punk­te beim Blog.

Als nächs­tes gehe ich auf mein Als Nächs­tes-Board und ver­tei­le dort die Auf­ga­ben auf die Mona­te.

Zum Bei­spiel pla­ne ich im Monat Mai alles mit dem Lie­fe­ran­ten XY abzu­klä­ren, Die Stof­fe für mein DIY-Pro­jekt zu beschaf­fen, den defek­ten Was­ser­hahn umzu­tau­schen, einen Ter­min zum Rei­fen­wech­seln zu machen und mein Kind zum Kla­vier­un­ter­richt anzu­mel­den, usw.

Zuletzt kann ich jede Auf­ga­be mit einer Dead­line ver­se­he und Labels nut­zen, um die Auf­ga­ben hin­sicht­lich ihrer Dring­lich­keit und Wich­tig­keit zu kenn­zeich­nen.

Die Labels kann man aber auch nut­zen, um auf einen Blick erkenn­bar zu machen, wel­cher Kate­go­rie eine Auf­ga­be ange­hört. Bei mei­nem Edi­to­ri­al Calen­dar (mein „Als nächstes“-Board für den Blog) nut­ze ich z.B. Labels wie „Blog“, „Soci­al Media Mar­ke­ting“ und „Web­site“.

Ich habe bei Trel­lo auch ein „Kaufen“-Board, ein „Jahresziele“-Board und ein „Zie­le 3 – 5 Jah­re“-Board.

Zuletzt habe ich im „Als nächstes“-Board noch die Kar­ten „Die­se Woche“ und „Die­sen Monat“.

(Die­se Kar­ten braucht man nicht, wenn man schon im Bul­let Jour­nal eine Monats- und Wochen­über­sicht hat, in der die zu erle­di­gen­den Haupt­auf­ga­ben für den kom­plet­ten Monat und noch­mal für die jewei­li­ge Woche schon ver­merkt sind. Da die Haupt­pla­nung bei mir aber in Trel­lo statt­fin­det, ist es für mich effi­zi­en­ter, wenn ich das auch gleich dort ein­tra­ge.)

Ich mache dass so, dass ich aus den Auf­ga­ben, die in z.B. in den Mona­ten „April — Juni“ erle­di­gen will, die aus­su­che, die ich im „Monat April“ erle­di­gen will und jeweils am Sonn­tag suche ich mir dann aus der Lis­te die Auf­ga­ben her­aus, die ich in der kom­men­den Woche erle­di­gen will oder muss, um mei­ne Zie­le zu errei­chen.

Bul­let Jour­nal

– Alles im Blick

Nun, da ich alles, was so ansteht auf Mona­te und Wochen ver­teilt habe, geht es end­lich dar­um, die To-Do-Lis­te für mor­gen zu erstel­len. Das ist meist nicht schwer, da ich ja schon weiß, was die­se Woche so ansteht.

Daher schaue ich zu aller­erst in mei­nen Kalen­der und tra­ge dar­in alle ver­bind­li­chen, wich­ti­gen und nicht auf­schieb­ba­ren Ter­mi­ne und Ange­le­gen­hei­ten ein.

Jetzt kom­men zwei wei­te­re wich­ti­ge Punk­te. Neben Ter­mi­nen und wich­ti­gen Erle­di­gun­gen pri­vat und beruf­lich, gibt es ja auch noch pri­va­te und per­sön­li­che Ver­pflich­tun­gen, denen wir nach­ge­hen wol­len oder müs­sen. Da der Tag aber nun­mal nur 24 Stun­den hat und man auch mit dem bes­ten Tages­plan und Zeit­ma­nage­ment der Welt nur so und so viel an einem Tag erle­di­gen und unter­neh­men kann, stellt sich hier also die dring­li­che Fra­ge nach den Prio­ri­tä­ten - auch bei per­sön­li­chen Ange­le­gen­hei­ten:

Was ist mir wich­tig?
Was hat lang­fris­tig die­sel­be Trag­wei­te wie Pro­jekt­auf­ga­be X bis mor­gen zu erle­di­gen und dem Chef zu prä­sen­tie­ren?

Das kann Kla­vier spie­len sein oder ein ande­res Hob­by. Das kann medi­tie­ren oder jour­na­ling (schrei­ben) sein — denn sei­en wir mal ehr­lich, was für eine Lebens­qua­li­tät hat man, wenn man stän­dig unter­grün­dig die­sen Druck in der Brust ver­spürt, den man letzt­end­lich nur auf­lö­sen kann, wenn man in sich hin­ein­hört.

Und zwar immer wie­der.

Denn das Leben ist stän­dig im Fluss.

Es gibt immer Auf und Abs.

Die Natur ist zyklisch und Ruhe- und Akti­ons­pha­sen wech­seln sich kon­ti­nu­ier­lich wel­len­för­mig ab. Alles in der Natur folgt die­sem Rhyth­mus. Die öst­li­che Kul­tur setzt sich seit tau­sen­den von Jah­ren mit die­sem beob­acht­ba­ren Wech­sel in der Natur aus­ein­an­der und sie haben eini­ge wei­se Sprü­che und „Metho­den“ über­lie­fert, die auch hier im Wes­ten in den letz­ten Jah­ren nicht ohne Grund immer mehr Anklang fin­den (buch­stäb­lich!).

Nein, es ist nicht ego­is­tisch.

Weil ohne uns auch Zuhau­se nichts läuft, denn es spie­gelt sich in unse­rer Umge­bung wider, wenn wir den Halt und den Boden unter den Füßen ver­lie­ren: die Kin­der „dre­hen durch“, Sachen gehen kaputt, es kommt immer wie­der zum Streit usw. Es ist dar­um abso­lut not­wen­dig, dass wir uns Zeit für uns neh­men.

Also nimm sie dir!

Manch­mal rei­chen schon 10 Minu­ten. Manch­mal braucht man län­ger. Und dann ist es in Ord­nung den Yoga-Kurs abzu­sa­gen und die Stun­de Zuhau­se ein­fach mal intui­tiv zu tun, was man eben statt­des­sen lie­ber tun möch­te.

Auch wenn man nur auf dem Bett liegt und die Decke anstarrt, auch wenn man 10 Fol­gen Grey’s Ana­to­my oder Gilmo­re Girls oder Char­med guckt (noch jemand im Nost­al­gie-Fie­ber?) oder nur heult oder tanzt. Es ist egal. Haupt­sa­che man sagt:

STOP.
Prio­ri­tä­ten set­zen

Das war für mich die mit Abstand die wich­tigs­te Leh­re der letz­ten Jahr­zehn­te.

Dar­um tra­ge ich in mein Bul­let Jour­nal auch zuerst die drei Haupt­auf­ga­ben (I), die ich an die­sem Tag für mich erle­di­gen möch­te, um mei­ne lang­fris­ti­gen Zie­le zu errei­chen (z.B. Gei­ge üben, um in 3 Mona­ten Stück XY zu ler­nen und in 5 Jah­ren Stück XY meis­tern zu kön­nen) oder um das Haus und mei­ne Psy­che vor Cha­os und Zusam­men­bruch zu bewah­ren (Aus­mis­ten, Medi­tie­ren, etc.).

Erst danach kom­men die drei Haupt­auf­ga­ben (II), die ich dar­über hin­aus erle­di­gen muss.

In mei­nem Bul­let Jour­nal habe ich auch Tra­cker, um mei­ne Fort­schrit­te bei diver­sen Ange­le­gen­hei­ten nach­zu­ver­fol­gen, um mich selbst zu dis­zi­pli­nie­ren oder ein­fach zur Selbst­re­flek­ti­on - wel­che Din­ge nei­ge ich wann und wie­so auf­zu­schie­ben, was macht mich war­um wütend/​traurig/​glücklich, usw.

Nur, wenn man sich selbst und sei­ne Wer­te kennt, kann man sein Leben ver­bes­sern. Klick um zu Twee­ten

Außer­dem habe ich dar­in auch mei­nen Haus­halts­plan, den ich mir (genau­so wie den Monats-Tra­cker) jeden Monat aus­dru­cke, um mir die Schreib­ar­beit zu spa­ren. Ich kann weder arbei­ten, noch den­ken, noch krea­tiv sein, wenn in mei­nem Haus Unord­nung herrscht, geschwei­ge denn, wenn es unsau­ber ist.

Gleich­zei­tig ist mir die Zeit zu scha­de, jeden Tag Din­ge hin und her­zu­räu­men und mir zu über­le­gen „muss ich mor­gen wie­der staub­saugen oder habe ich vor­ges­tern… muss ich die Bett­wä­sche mor­gen wech­seln, wann habe ich zuletzt…“

[Edit 2018: Da es mir auf Dau­er zu zeit­auf­wen­dig war, die Vor­la­gen für die Tra­cker zu erstel­len und sie dann auch nicht modi­fi­zier­bar und auch per Hand schwe­rer zu eva­lu­ie­ren waren, habe ich mich in die­sem Punkt umori­en­tiert und benut­ze dafür jetzt Apps.]
Life-Hack: sinn­vol­le Rou­ti­nen schaf­fen

Wer für sowas über­haupt kei­ne Zeit hat, dafür aber über Selbst­dis­zi­plin ver­fügt, kann sich für Din­ge wie Bett­wä­sche oder Hand­tü­cher wech­seln, Kühl­schrank put­zen, etc. einen bestimm­ten Tag im Monat fest­le­gen, an dem das erle­digt wird.

Natür­lich funk­tio­niert das nur, wenn man sich selbst ver­trau­en kann, dass man das dann auch ohne wenn und aber tut und es nicht doch auf der To-Do-Lis­te lan­det und ewig auf­ge­scho­ben wird. Kon­se­quenz, Freun­de!

[Inter­es­sant ist auch wie vie­le Eltern von ihren Kin­dern Kon­se­quenz im Han­deln for­dern, aber selbst im All­tag dar­an schei­tern — Kin­der krie­gen das mit – glaub’ mir und sie sind nicht so blöd wie wir uns gern in sol­chen Situa­tio­nen ein­re­den („das hat sie jetzt nicht gemerkt, dass ich letz­tens mein­te, ich wür­de heu­te X machen, aber ich schie­be es auf...“ — HAT sie 😉 ).]

Indem wir uns Din­ge zur Gewohn­heit machen, indem wir sinn­vol­le Rou­ti­nen eta­blie­ren, ent­las­ten wir unse­ren Kopf und unse­ren Geist. Wir müs­sen dann nicht täg­lich und lebens­läng­lich ein- und die­sel­ben Ent­schei­dun­gen immer wie­der auf’s Neue tref­fen (sie­he Shel­don Coo­per aus Big Bang Theo­ry — dem unge­schla­ge­nen Meis­ter im Feld der All­tags-Effi­zi­enz).

Ich habe es mir z.B. zur Gewohn­heit gemacht, jeweils in der ers­ten Monats-Woche:

  • Die Bett­wä­sche und den Was­ser­fil­ter zu wech­seln.
  • Die Schrank-Ober­flä­chen zu wischen.
  • Den EINGANG“-Ordner auf mei­nem PC unter die Lupe zu neh­men (eeeeet­li­che Screen­shots, Memes, sons­ti­ge Bil­der, Tabel­len, Check­lis­ten, „inter­es­san­te Infos“, Design-Inspi­ra­tio­nen, ect. pp.)

Alle zwei Wochen:

  • Put­ze ich die Spül­ma­schi­ne ,

Ein Mal die Woche sams­tags:

  • Wech­se­le ich die Hand­tü­cher

Staub­saugen und Küche und Bad put­zen, mache ich zwei Mal die Woche, meist am Sams­tag­mor­gen und am Mitt­woch­abend. Staub nass wischen und Boden wischen mache ich immer sams­tags.

Puuuhh!

Nach­dem allen Ange­le­gen­hei­ten und Ide­en ein Platz zuge­wie­sen wur­de und auch der Zeit­raum zu des­sen Erle­di­gung fest­ge­legt wur­de, füh­le ich mich immer ein gutes Stück befrei­ter.

Classei

– Mein exter­nes Gedächt­nis

Schwe­rer von den Schul­tern zu krie­gen sind immer Din­ge, bei denen man noch auf jeman­den oder auf etwas war­ten muss, bevor man sie erle­di­gen kann.

Für den ers­ten Fall habe ich im Life Plan­ner die „War­ten auf“-Lis­te, doch für den zwei­ten Fall, wenn es sich nicht gera­de um einen Ter­min han­delt, son­dern um Sachen wie „Uni-Unter­la­gen sor­tie­ren“ oder „Rech­nun­gen aus­mis­ten“ oder „Sons­ti­ge Papie­re“ (= das Grau­en) sor­tie­ren, war ich lan­ge Zeit rat- und hilf­los.

Bis ich im letz­ten Jahr (2014) auf CLASSEI stieß. Hal­le­lu­ja!

Ich bin da völ­lig zufäl­lig dar­auf gesto­ßen, als ich nach „Map­pen“ such­te, wie sie David Allen in sei­nem Buch Get­ting Things Done emp­fiehlt. Ich hat­te zwar schon immer ein Fai­ble für Hän­ge­map­pen, aber die Prei­se für so einen Schrank und sol­che Map­pen schreck­ten mich doch ab und zudem gefiel mir die Vor­stel­lung von losen Map­pen, die man ohne Gefum­mel schnell und ein­fach in der Hand hat bzw. aus und in die Schreib­tisch­schub­la­de packen kann.

Ich war­te­te zwei Wochen ohne etwas zu unter­neh­men, mit die­sem Auf­bruchs­stim­mungs-Krib­beln im Bauch. Ich wuss­te, DAS IST ES, so will ich es machen — ich darf nur nichts über­stür­zen und muss mir ordent­li­ches Equip­ment zule­gen. Da stieß ich bei Ebay auf so einen gebrauch­ten Classei-Ord­ner. Da ich kei­ne Ahnung hat­te, was das sein soll, goo­gel­te ich danach und lan­de­te erst­mal (natür­lich) bei Ama­zon.

Das sah inter­es­sant aus — sogar sehr inter­es­sant. Ach was, das ist es! Das ist sogar noch viel bes­ser als Hän­ge­map­pen! Ich MUSS­TE es haben.

Aber erst ein­mal Prei­se ver­glei­chen (egal, wie sehr es brennt, ich muss erst ordent­lich Prei­se ver­glei­chen, auch wenn das bei mei­ner Gründ­lich­keit TAGE dau­ert…). Glück­li­cher­wei­se war das Busi­ness-Set auf der Web­site gera­de redu­ziert (noch mal davon gekom­men, man war ich erleich­tert, dass ich mich nicht noch ewig gedul­den muss­te!). Zwar ist es immer noch recht teu­er (zumin­dest für einen armen Musi­ker), den­noch war es mir jeden Cent wert.

Ich schlug also zu und fühl­te das ers­te Mal seit 20 Jah­ren die­se Vor­freu­de, die man als Kind vor Weih­nach­ten oder sei­nem Geburts­tag hat. (Man merkt, ich bin ein Organisations-Freak…*hust* Pin­te­rest *hust* ^^’)

Ich habe mir wie­der Lis­ten ange­legt und schon die Kate­go­ri­en über­legt, die ich brau­chen wür­de, damit ich, wenn das Paket da war, sofort mit dem Bedru­cken und Sor­tie­ren los­le­gen konn­te.

[Edit: Ich muss­te mir letzt­end­lich noch ein wei­te­res rieeeesen Paket bestel­len und mir dafür sogar Geld lei­hen — aber das war es wert!]

Am Ende hat­te ich 10 Boxen (2 habe ich mir noch selbst gebas­telt) hun­der­te von Map­pen und seit­dem gibt es kein ein­zi­ges Blatt Papier mehr im Haus, das nicht sei­nen fes­ten Platz hat.

Alles, was an Papier ins Haus kommt, wird sofort in die pas­sen­de Map­pe abge­legt.

Dafür habe ich auf mei­nem Schreib­tisch eine Box mit fol­gen­den Map­pen:

  • Bezah­len“ (Rech­nun­gen),
  • Bear­bei­ten“ (Ange­le­gen­hei­ten, die noch meh­re­re Schrit­te erfor­dern),
  • Ein­scan­nen“ und
  • Erledigen/​Ablegen“

sowie

  • Lesen“,
  • Gut­schei­ne
  • Frei­zeit“,
  • Kla­vier­un­ter­richt“,
  • Finanz­amt“ und
  • War­ten auf“.

Außer­dem noch Map­pen für Zet­tel, die man immer wie­der mal braucht wie

  • Noten­pa­pier“,
  • Biblio­thek“ und
  • Tra­cker“.

Nach­dem alles das, was im Kopf her­um­schwirrt nun sei­nen Platz hat und auf sei­ne Erle­di­gung war­tet, gilt es nun wie­der bei sich selbst anzu­kom­men – auch in sei­nem Kör­per.

Das war der fol­ge­rich­ti­ge nächs­te Schritt auf dem Weg zur inne­ren und äuße­ren Befrei­ung und wie ich das umge­setzt habe, erfährst du auf der nächs­ten Sei­te.